Eriks Blog

Meine Gedanken zu diesem und jenem …

Jetzt twittere ich doch …

Folgeartikel zu “Twitterst Du schon?”

… weniger, weil ich wollte, als vielmehr, weil ich muss. Was für einen ersten Eindruck habe ich?

Das Profil

Ich habe keine Ahnung, wieviele Profile in wievielen Foren, Emaillisten und anderen sozialen Netzwerken ich schon ausgefüllt habe. Bisher hatte ich eher das Problem, dass die Leute zu viel wissen wollten. Das Problem stellt sich hier nicht. 160 Zeichen habe ich, um mich darzustellen. 160 Zeichen für die Biographie eines Menschen, der schon seit 44 Jahren auf diesem Planeten wandelt. Ich erinnere mich an Goethes Bemerkung: “Entschuldige den langen Brief. Ich hatte keine Zeit einen kürzeren zu schreiben.” Ich zermartere mir das Hirn, wie und vor allem was ich mit 160 Zeichen über mein Leben aussagen möchte. Aber es ging. Dann noch die Homepage eingetragen und das war’s schon. Aber was sagt das über mich aus? Ein bitterer Nachgeschmack bleibt.

Die beliebtesten Themen

Was nun? Über der Seite steht auffordernd “What are you doing?” Soll ich jetzt wirklich hinschreiben, was ich im Moment tue? Interessiert das die Welt? Ich beschließe, dass es für die Welt einigermaßen uninteressant ist, dass ich gerade versuche, dem Twitter doch einen Sinn abzugewinnen. Als schreibe ich nichts hin, sondern schaue mich erst einmal um. Was schreiben andere hier?

Rechts entdecke ich die “Trending Topics”. Das scheint mir sowas wie die top ten der beliebtesten Themen zu sein. Das klingt interessant. An oberster Stelle steht “D-Day”. Achja, dieser Tag jährt sich mal wieder. Also schaue ich mal rein. Schließlich bin ich ein an der Historie interessierter Mensch. Vielleicht finde ich hier was, was ich bisher noch nicht wusste oder einfach nur ein paar Informationen, wer was dieses Jahr zu diesem Tag veranstaltet. Ich werde enttäuscht. Seitenweise Wortfetzen, die einfach nur daran erinnern, dass D-Day ist. Schade.

Die nächsten Themen interessieren mich schlicht nicht. Ein Rapper, zwei Spiele. Nichts, was ich wirklich wissen will. Ich will das nicht kritisieren. Es interessier mich einfach nicht. Suum cuique. Als schaue ich weiter und stoße auf “Good night” und “It’s cool”. Tatsächlich, zu den Topthemen gehört, dass sich die Menschen gegenseitig “Gute Nacht” wünschen bzw. sich gegenseitig mitteilen, dass irgendetwas “cool” ist. Offenbar komme ich so nicht weiter.

Die Twitterer

Also versuche ich einen anderen Weg. Ich klicke die Gute-Nacht-Sager an und schaue mal, was sie sonst noch der Welt mitzuteilen haben. Offenbar nichts. Weitere Wortfetzen schlagen mir entgegen. Das geht so weit, dass ich immer wieder lesen: “Sorry, ich twittere nicht, weil mir nichts einfällt.” Das hat eine gewisse Komik. Menschen teilen sich gegenseitig mit, dass sie sich nichts mitzuteilen haben. Warum? Was macht ein Medium so erfolgreich, in dem auf den ersten Blick nichts wirklich Interessantes zu finden ist?

Also versuche ich dem Phänomen auf andere Art näher zu kommen. Ich finde die Liste der beliebtesten Vögelchen. Es war nicht anders zu erwarten. Prominenz ohne Ende. Was haben die uns zuzuzwitschern? Ich entdecke einen professionellen Pokerspieler. Das interessiert mich. Da werden seine Hände kommentiert. Er lässt also twittern. Oder will er mir allen Ernstes weißmachen, dass er während des Spiels selbst twittern kann? Auch sonst habe ich bei der Prominenz nicht unbedingt das Gefühl, dass es authentisch ist. Aber habe ich das erwartet?

Dazwischen dann doch auch ein paar, deren Name ich nicht kenne. Scheinbar ganz normale Leute, die offenbar was zu sagen haben. Blogger. Da wurde es dann doch ein wenig interessanter.

Die Verfolger

Ich schaue mich immer noch um. Noch habe ich nicht eins von meinen 140 Zeichen verbraucht. Plötzlich tut sich was. Ich habe einen Verfolger. Wie das? Wer hat mich da so schnell gefunden? Pornospam! Also habe ich gleich mal die Blockfunktion ausprobiert. Insgesamt hatte ich nach kurzer Zeit und dem ersten zaghaften Zwitscherton zwölf Verfolger. Davon habe ich drei behalten. Zwei davon kenne ich und habe ich deshalb in meine Verfolgungen eingetragen. Der dritte ist ein Dienst, der mir die meistgenannten deutschen Themen nennt. Offenbar geht es in der deutschen Zwitscherszene etwas seriöser zu als im englischsprachigen Raum.

Der Rest war schlicht Spam mit teilweise so eindeutigen Bildern, dass ich Eltern nur raten kann, das zwitschern ihrer Sprößlinge gut zu beobachten. Auch das eine ganz neue Erfahrung mit sozialen Medien. Spam ist überall ein Phänomen. Aber alle soziale Medien, die ich bisher kennengelernt habe, haben das einigermaßen im Griff. Bei twitter, so der erste Eindruck, scheint das anders zu sein.

Reine Zeitverschwendung?

Eins habe ich allerdings schon gelernt. Es ist sicherlich keine Zeitverschwendung, wenn man neue Artikel seines Blogs oder andere Veränderungen auf der Website twittert. Damit kann ich auch was anfangen und werde es deshalb tun. Trotzdem bleibt bei mir der etwas bittere Nachgeschmack, der sich bei der Frage einstellt, was denn mit der Gesellschaft passiert ist, dass immer mehr Menschen die Kommunikation online der echten direkten Kommunikation Auge in Auge bevorzugen. Was ist mit der Gesellschaft passiert, dass immer mehr Menschen ihre Partner nicht in Kneipen, Bars, Diskos, Cafés oder sonstwo im realen leben suchen, sondern im Chat, via online Partnervermittlung oder jetzt auch via twitter?

Liebe Grüße

Erik

Twitterst Du schon?

Diese Frage stellte mir vor Kurzem ein Kollege. Nein, ich twittere nicht. Warum um alles in der Welt soll ich ein Medium nutzen, dass mir gerade mal 140 Zeichen zur Verfügung stellt? Nicht einmal die letzten beiden Sätze hätte ich schreiben können. Nein, kein Interesse. “Aber schau doch mal …” Der Kollege öffnet stolz seine [...]

weiterlesen »

Copyright © 2012 by: Eriks Blog • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.