Eriks Blog

Meine Gedanken zu diesem und jenem …

Kostenpflichtiger Qualitätsjournalismus?

Warum Herr Burda Unsinn redet

Herr Burda hat nachgelegt. Wie das Manager Magazin meldete, wünscht sich Herr Burda die Befreiung von der Mehrwertsteuer und die Beteiligung an den Werbeeinnahmen von Google & Co. Das versteht er unter “fairem” Wettbewerb. Google wirft er vor, es wäre ein Killer, der sich ein Drittel der Werbeeinnahmen unter den Nagel reißt, ohne dafür eine aufwendige Leistung zu erbirngen. Es nutze die Arbeit anderer, um Gewinne zu erwirtschaften. Ist das so?

Machen wir ein kleines Experiment. Heute ist eine der Topnachrichten, dass Herr Wiedeking zurücktreten musste. Also geben wir einfach mal seinen Namen bei Google ein und schauen, was passiert. Siehe da. Auf den ersten vier Seiten des Suchergebnisses finden sich fast ausschließlich Seiten der klassischen Presse. Süddeutsche, FAZ, der Spiegel, die öffentlich-rechtlichen Sender, Welt, Zeit und auch der Focus teilen sich die prominenten Plätze in diesem Suchergebnis. Und diejenige, die mit am meisten jammert, die Bildzeitung hat eine Anzeige geschaltet. Wer profitiert hier also von wem? Sollten nicht eher die Verlage an Google zahlen? Wer profitiert hier von wessen kostenloser Leistung?

Herr Burda behauptet weiterhin, dass es sich nicht lohne, im Internet aufzutreten. Die Angebote seien, so zitiert ihn das Manager Magazin, nicht refinanzierbar. Ich wiederhole mich nur ungern. Herr Burda flunkert. Sein eigener Verlage verdient im Netz recht gut, wie ich im Artikel Das Gejammer der Verleger am Ende schon erwähnt habe. Ist Herr Burda vielleicht einfach nur grantig, weil sein eigenes Suchmaschinenprojekt gescheitert ist?

Das Internet ist kostenlos, wenn man mal von den Gebühren für die Anschlüsse absieht. Das wird so bleiben. Warum soll ich denn für etwas bezahlen, was ich auch umsonst haben kann? Die hilflosen Versuche, im Netz direkt Geld damit zu verdienen, dass man Seiten nur gegen Zahlung einer auch noch so geringen Summe aufrufen kann, sind gescheitert. Der Markt, der faire Wettbewerb hat dafür gesorgt. Damit müssen die Verlage leben, ob sie wollen oder nicht. Wer überleben will, muss sich an diese neuen Gegebenheiten anpassen. Dass das die deutschen Verlage verpasst haben, sollen nun die Benutzer des Internets bezahlen? Warum? Wenn meine Geschäfte schlecht gehen, kann ich auch nicht einfordern, dass es eine Programmiererflatrate oder eine Dozentenflatrate geben soll, nur weil im Netz das, was ich produziere, auch umsonst abgerufen werden kann. So wie ich durch echte Qualität und Leistung überzeugen muss, müssen das die Verlage auch. So wie ich mit Open Source Software und Online-Tutorials leben muss, müssen die Verlage mit Netzzeitungen und Blogs leben. Und so wie ich diese Angebote in meine Arbeit einbaue, sollten es endlich auch die Verlage tun, statt zu jammern, dass ihnen angeblich das Geschäft kaputt gemacht wird.

Was würde denn passieren, wenn sich Herr Burda mit seinem Wegzoll durchsetzte? Google blockt die Angebote einfach. Ihr wollt Geld von uns dafür, dass wir kostenlos Werbung für Euch machen? Dann machen wir eben keine Werbung mehr für Euch. Ganz einfach. Und auch die Blogosphäre wird so reagieren. Euch stört, dass ich Eure Artikel kommentiere und in meinen Kommentaren verlinke? Na gut. Es gibt genügend andere, die das nicht stört, die sogar dankbar dafür sind, wenn ich das tue und mich dafür auf ihren Seiten verlinken. Gut, Herr Burda, Focus und alle anderen Online-Produkte aus Ihrem Hause werde ich in Zukunft ignorieren. Kein Link mehr, kein Traffic mehr und auch keine Werbeeinahmen mehr über meine Seiten. Wenn Sie das so wollen, dann können Sie das so haben. Beschweren Sie sich hinterher aber nicht, dass Sie wirklich weniger verdienen, als Sie es heute tun. Beschweren Sie sich hinterher nicht, dass Ihre Online-Produkte nicht mehr bei Google auf der ersten Seite gelistet werden.

Andererseits würde ich sehr viel lieber Links auf Ihre Seiten setzen und so Ihnen Traffic und somit Einnahmen verschaffen, wenn auch die großen Online-Produkte aus Ihrem Haus endlich das machten, was in der Blogosphäre so erfolgreich ist: Trackbacks. Aber das tun sie nicht. Sie wollen vom Internet profitieren, ohne sich an die Regeln des Netzes zu halten. Sie wollen verlinkt werden und dafür auch noch Geld kassieren. Sie wollen durch meine Arbeit besser gefunden werden und ich soll dafür auch noch bezahlen. Das ist schlicht und ergreifend absurd.

Liebe Grüße

Erik

P. S.: Ich werde nicht Ihre Anzeigen, die ich über AdSense vielleicht bekomme, blockieren. Warum auch? Damit will ich ja schließlich Geld verdienen.

Weitere Artikel zum Thema:
internet-law.de – Verlage rufen immer lauter nach dem Staat
createordie.de – Herr Burda will an Googles Werbeeinahmen beteiligt werden
stefan-niggemeier.de – Hamburger Bankrott-Erklärung
mediaclinique – Herr Burda: Wasch mich, aber mach mich nicht nass!
dwdl.de – Burda klagt Google an und will Steuerbefreiung
faz.net – Verleger fordern Schutz im Internet

Der Angriff auf das Internet

Warum die “Kulturflatrate” gefährlicher ist als die Zensur Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Die Musikindustrie verdient immer weniger Geld. Warum? Ihre Produkte will keiner mehr haben. Ihre klassische Klientel kauft nicht mehr. Der Grund dafür ist ganz einfach. Das Produkt, eine Schallplatte oder eine Musik-CD ist überflüssig geworden. Musik kann heute kostenlos kopiert [...]

weiterlesen »

Australische Kinderrechtsorganisationen gegen Internetsperren

Die beiden australischen Kinderrechtsorganisationen Save the Children Australia und National Children’s & Youth Law Centre haben sich zusammen mit GetUp!, einer australischen politischen Internetcommunity mit immerhin über 325.000 Mitgliedern, und anderen Organisationen gegen Sperren von Kinderpornoseiten ausgesprochen. Die Sperren seien ineffektiv und würden die Opfer nicht schützen. Sie seien leicht zu umgehen und wären daher [...]

weiterlesen »


Du kommst hier nicht rein

Ein Blick in die Zukunft Wir schreiben das Jahr 2010. Herr A. aus Berlin wurde vor einem halben Jahr von seiner Frau verlassen. Weil sich nun die Natur bei ihm zu Wort meldet, geht er zu Hause in einer der vielen einsamen Stunden ins Internet, um sich selbst mit Hilfe einiger Bilder ein wenig Erleichterung [...]

weiterlesen »

Das Gejammer der Verleger

Das Ende eines Geschäftsmodells? Wie heise.de meldet, fordert Herr Burda, Eigentümer des gleichnamigen Medienkonzerns, vom Staat Gesetze, die sein Geschäftsmodell vor dem Untergang schützen. Er möchte gerne am Gewinn der Suchmaschinen beteiligt werden und gleichzeitig die Freiheit dieser Firmen bei der Zusammenstellung der Suchergebnisse einschränken. Als Grund für diese Forderungen wiederholt Herr Burda das alte [...]

weiterlesen »


Der Preis der Freiheit

Was ist uns die Freiheit wert? Vor ein paar Tagen diskutierten auf Phoenix Astrid Herbold (Journalistin und Internetkritikerin), Ossi Urchs (Internetpionier), Jan Krone (Media- und Kommunikationsberater) und Alvar Freude (“Arbeitskreis Zensur”) über das Thema Außer Kontrolle – Welche Macht hat das Internet?. Insgesamt war die Diskussion einigermaßen langweilig. Die “Internetkritikerin” wiederholte ihr einziges Argument, das [...]

weiterlesen »

Denn sie wissen nicht was sie tun?

Nachlese nicht nur zum Zensurgesetz Mit wesentlich weniger öffentlichem Interesse als für das Zensurerleichterungsgesetz hat der Bundestag in der Nacht von Donnerstag auf Freitag noch ein anderes Gesetz verabschiedet, das Gesetzes zur Stärkung der Sicherheit in der Informationstechnik des Bundes, ein Gesetz das das gleiche Konfliktpotential enthält wie das Gesetz zur Sperrung von Internetseiten. Auch [...]

weiterlesen »


Wenn deutsche Professoren das Internet besuchen …

Ein Antwort an Herfried Münkler In der Frankfurter Rundschau fand ich den Kommentar Netz-Anarchos und trojanische Pferde von Herfried Müller, Politikprofessor an der Humboldt Universität, der auf gar keine Fall unkommentiert bleiben darf. Es ist wirklich erstaunlich, wie ignorant die deutsche Intelligenz dem Netz gegenüber steht. “… Gegen dieses Projekt der Sperrung von Internet-Seiten [gemeint [...]

weiterlesen »

Deutsch-chinesisches Kooperationsabkommen

Familienministerin von den Laien prüft chinesische Software Wie soeben bekannt wurde, haben sich am Rande der UN-Konferenz “Freiheit und Internet” die deutsche Familienministerin von den Laien und der chinesische Minister für freien Internetzugang Lei Dung Tsu auf eine enge Kooperation hinsichtlich des internationalen Kampfes gegen Pornographie im Internet geeinigt. “China”, so Frau von den Laien, [...]

weiterlesen »


Wir schlagen Schaum

Der SPD-Parteivorstand hat beschlossen … …, dass “Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet … effizient geführt werden und rechtsstaatlichen Grundsätzen genügen” muss. Wechselt die SPD jetzt die Seiten? Sollte es tatsächlich passiert sein, dass der Vorstand der SPD zur Vernunft gekommen ist? Sollte es wirklich so sein, dass die SPD das Gesetz zur Zensur des Internets [...]

weiterlesen »

Copyright © 2012 by: Eriks Blog • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.