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	<title>Eriks Blog &#187; Nachdenkliches und Satirisches</title>
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	<description>Meine Gedanken zu diesem und jenem ...</description>
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		<title>Ulf ist tot</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 22:24:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft und Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestern bekam ich eine Email. Mein lieber Freund Ulf sei tot. Die Nachbarinnen haben ihn letzten Samstag gefunden. Lange hätten sie ihn nicht mehr gesehen. Sie hatten einen Schlüssel. Also haben sie nachgesehen und ihn tot in seiner Wohnung gefunden. Es wurde mir gesagt, er habe dort schon ein paar Tage gelegen. Ulf war ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern bekam ich eine Email. Mein lieber Freund Ulf sei tot. Die Nachbarinnen haben ihn letzten Samstag gefunden. Lange hätten sie ihn nicht mehr gesehen. Sie hatten einen Schlüssel. Also haben sie nachgesehen und ihn tot in seiner Wohnung gefunden. Es wurde mir gesagt, er habe dort schon ein paar Tage gelegen.</p>
<p>Ulf war ein guter Mensch. Als ich damals bei der Hamburger Volkshochschule anfing, war er es, der mich an die Hand nahm und mir alles zeigte und erklärte. Ich hospitierte bei ihm, weil ich einen Teil der Webdesign-Kurse, die es damals gab, übernehmen sollte. Er bot mir ohne Not an, mit mir das Honorar zu teilen. Ich war ganz überrascht und lehnte ab. Er bestand beinahe darauf. Er empfand es als ungerecht, dass er alles und ich nichts bekommen sollte, obwohl ich doch auch mitarbeite. So war Ulf.</p>
<p>Wir wurden schnell gute Freunde. Wir arbeiteten gut und gerne zusammen. Wir teilten unsere Erfahrungen und Materialien. Bald kamen wir uns auch privat sehr nahe. Wir erzählten uns von unseren Freuden und Leiden. Ulf war der einzige Freund, der damals der Scheidung von meiner ersten Frau und der Heirat mit einer Kubanerin skeptisch gegenüber stand. Er war der einzige, der mir abriet und mich zur Vorsicht ermahnte riskierend, dass ich, der ich damals über beide Ohren verliebt war, ihm die Freundschaft kündige. So etwas macht nur ein wahrer Freund. So war Ulf.</p>
<p>In all den Jahren hat Ulf mich immer begleitet. Er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Dabei hatte er das große Talent, den Finger immer auf die Wunde zu legen. Doch das tat bei ihm nie weh. Denn er fand auch immer die richtigen Worte und hatte fast immer die richtigen Ratschläge parat. Er hat mich beruhigt, wenn ich zu unruhig war. Er hat mich wachgerüttelt, wenn  drohte, dass ich etwas verschlafe. So war Ulf. Ulf war ein guter Mensch.</p>
<p>Wann Ulf genau gestorben ist? Man konnte es mir nicht sagen. Woran Ulf gestorben ist? Auch das konnte man mir nicht sagen. Aber das braucht man mir nicht zu sagen. Ich weiß woran Ulf gestorben ist. Ulf ist an der Wirtschaftskrise, an Hartz IV, am Alkohol und an Einsamkeit gestorben. Er ist daran gestorben, dass es in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr für ihn gab. Er ist daran gestorben, dass diese Gesellschaft glaubte, ihn nicht mehr zu brauchen.</p>
<p>Ulf hatte keinen guten Start ins Leben. Vom Vater zu einem Beruf gezwungen, den er nicht wollte, fing er früh an zu trinken. Aber er kämpfte auch. Er brachte es auf dem zweiten Bildungsweg zu akademischen Weihen. Mit stolzem Understatement und nicht mit Scham sagte er immer: &#8220;Ich habe nur einen Hauptschulabschluss.&#8221; Er hat etwas aus sich gemacht. Und er hörte auch auf zu trinken. Dann ging er als Entwicklungshelfer nach Afrika. Als er zurückkam, trank er wieder.</p>
<p>Der Freund, der mir das berichtete &#8211; ich kannte Ulf damals noch nicht &#8211; fragte sich in dem Gespräch, warum Ulf wieder angefangen habe. Lieber Freund, ich kann es Dir sagen. Das Leid, das ihn dazu getrieben hat, war viel größer und unausweichlicher als das Leid unter dem Vater. Es war der Schmerz, den Ulf empfand angesichts der Ungerechtigkeit und des Elends allerorten auf dieser Welt. Es war sein Mitleid mit den Armen, den Hungernden, den Frierenden dieser Welt. Ja, Ulf hat getrunken und ist daran wahrscheinlich auch gestorben, denn Ulf war ein guter Mensch.</p>
<p>Solange Ulf genug zu tun hatte, hatte er seine Sucht im Griff. Er trank nicht, wenn er arbeitete. Ich erinnere mich noch gut, dass er es ganz am Anfang unserer Freundschaft ablehnte, nach der Arbeit mit mir ein Bier trinken zu gehen. Er kam zwar mit, trank dann aber irgend einen Saft. Nur wenn er am nächsten Tag frei hatte, trank er mit. Dann aber reichlich. Aber das tue ich auch ab und an mal ganz gerne. Dass er damit ein Problem hatte, wusste ich damals noch nicht. Aber ich hatte auch nie den Eindruck. </p>
<p>Doch das änderte sich, als uns die Wirtschaftskrise 2002 mit voller Wucht traf. Vor den Sommerferien mussten wir noch Kurse ablehnen, weil es zu viel wurde. Nach den Sommerferien hatten wir keine Kurse mehr. Alles fiel aus. Ulf traf es am härtesten, da er kein anderes Standbein hatte. Seine Versuche, als freier Grafiker oder Webdesigner Fuß zu fassen, scheiterten an seiner mangelnden Einsicht, dass Moral und Ethik im Geschäftsleben allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Ulf war ein guter Mensch.</p>
<p>Dann wurde Ulf auch noch chronisch krank. Ich weiß gar nicht mehr ob es kurz vor oder nach dem Zusammenbruch des Bildungssektors war. Er war starker Raucher. Er hatte Raucherbeine. Irgendwann konnte er vor Schmerzen kaum noch laufen. Er musste immer wieder Kurse absagen. So verlor er noch mehr Einnnahmen. Er wurde immer ärmer. Er musste Hartz IV beantragen. Das Elend, unter dem er so litt, hatte ihn eingeholt. Er wurde ein Teil dieses Elends. Die Schulden wurden immer mehr, die Freunde wurden immer weniger. Und die Zeit, die viele, viele Zeit, die nutzlos und einsam verbracht wird. Die viele Zeit zum Nachdenken. Die viele Zeit zum Trinken. Ulf verlor die Kontrolle und mit der Kontrolle die letzten Jobs. Ulf hatte aufgegeben. Ich glaube, er verstand nicht, warum ihm das widerfuhr. Er ertrug es nicht mehr, dass ihn diese Gesellschaft einfach so wegwarf. Denn eins wusste er: Ulf war ein guter Mensch.</p>
<p>Mein lieber Freund Ulf, wir werden Dich nie vergessen. Du bist einer mehr, in dessen Namen wir nicht aufhören werden, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der Menschen wie Du den Platz bekommen, der ihnen gebührt. Ruhe in Frieden.</p>
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		<title>Wenn das Frau von der Leyen sieht &#8230;</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Jul 2009 16:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Schere im Kopf Ich bin Vater. Mein kleiner Sohn ist sechs Jahre alt. Am Wochenende muss das Kind beschäftigt werden. Was macht also ein guter Vater? Er geht mit seinem Kind irgendwohin, wo es Spaß hat. Also blättere ich im Internet und suche einen solchen Platz. Ich lese: &#8220;Sie haben Lust auf einen abwechslungsreichen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Schere im Kopf</h2>
<p>Ich bin Vater. Mein kleiner Sohn ist sechs Jahre alt. Am Wochenende muss das Kind beschäftigt werden. Was macht also ein guter Vater? Er geht mit seinem Kind irgendwohin, wo es Spaß hat. Also blättere ich im Internet und suche einen solchen Platz. Ich lese: &#8220;Sie haben Lust auf einen abwechslungsreichen, fröhlichen, sportlichen und actionreichen Tag mit Ihrer Familie?&#8221; Das scheint mir das Richtige. Also frage ich Frau und Kind, ob sie dazu Lust haben. Beide sagen Ja. Schnell ein paar Sachen gepackt und dann los. Das Wetter ist herrlich. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Ich zahle den Eintritt und wir stürzen uns ins Vergnügen.</p>
<p>Aber was muss ich sehen? In einer Ecke steht ein Mann etwa so alt wie ich vor einem Klettergerüst. Er macht Fotos. Fotos von einem Mädchen, vielleicht 13 Jahre alt. Sie trägt nur einen Bikini. Sie klettert durch das Gerüst, lächelt in die Kamera, spreizt die Beine. Wo bin ich hingeraten? Ich schaue mich weiter um. Das kann nicht sein. Mitten im Herzen Deutschlands ein Hort widerlichster Kinderpornografie. Uns gegenüber ein alter Mann. Der ist sicher schon an die 70, denke ich mir. Er spricht mit zwei leicht bekleideten Mädchen. Er gibt ihnen Geld. Ich bin fassungslos.</p>
<p>Überall, wohin ich auch sehe, Szenen, die eindeutig auf den Index gehören. Dort zwei engumschlungene Teenager, die miteinander knutschen. Drumherum sehe ich mehrere weitere Jugendliche, die zusehen. Weiter hinten ein nacktes Mädchen kaum drei Jahre alt. Sie ist bis auf einen Hut völlig unbekleidet. Der Mann, der neben ihr liegt, holt eine Kamera hervor und fotografiert das arme Kind. Dort zwei vielleicht 16jährige Mädchen, die einem etwa 17jährigen Jungen zärtlich den Rücken massieren. Und dann kann ich eine solche Szene aus nächster Nähe beobachten. Direkt neben uns plaziert sich ein Paar, beide etwa 30 Jahre alt. Sie haben ein kleines nacktes Kind bei sich. Später erfahre ich, dass es kein Jahr alt ist. Sie legen sich auf eine große Decke. Die Frau hebt dem Mann das Kind auf den Bauch. Das Kind kneift dem Mann in die Brustwarzen. Er lacht und streichelt das Kind über den Rücken.</p>
<p>Soll ich nicht besser die Polizei rufen? Nein, wir lachen mit und unterhalten uns nett mit den beiden. Wir sind im Finkenwerder Freibad. Das Zitat oben stammt von der <a href="http://www.baederland.de" target="new">Website der Firma &#8220;Bäderland Hamburg&#8221;</a>. Es ist alles ganz harmlos. Aber nach der heutigen Rechtslage droht der harmlosen Website der Familie des Herrn, der wahrscheinlich seine Tochter fotografiert hat, oder der desjenigen, der seinen kleinen Nackedei fürs virtuelle Fotoalbum festgehalten hat, das Stoppschild, vielleicht sogar Schlimmeres. Wollen wir das?</p>
<p>Diese Gedanken schossen mir im Freibad so durch den Kopf. Schon komisch, dachte ich mir, wie diese Diskussion meine Sicht der Dinge verändert hat. Letztes Jahr wäre ich mit Sicherheit nicht auf solche absurden Gedanken gekommen. Aber nun habe ich z. B. den Text in <a href="http://netzpolitik.org/2009/hintergrundtext-kinderpornographie-internet-sperren/" target="new">netzpolitik.org</a> gelesen, wie weit der Begriff der Kinderpornografie mittlerweile ausgedeht wurde. Die Fotos, die dort im Freibad gemacht wurden und die mit Sicherheit alle ganz harmlose Familienfotos sind, wie sie sich in jedem Fotoalbum finden, sind nach dieser Definition pornografisch. Jeder, der solche Fotos ins Netz stellt, steht in der Gefahr, mit dem Staatsanwaltschaft Bekanntschaft zu machen.</p>
<p>Das ist das schlimme an der Zensur. Sie erzeugt eine Schere im Kopf. Sicher wird jetzt jeder CDU-Politiker und auch jeder von der SPD mit der Inbrunst der Überzeugung feststellen, dass solche Fotos doch gar nicht gemeint sind. Ich glaube Ihnen das sogar. Aber ich habe sie gespürt, die Schere im Kopf. Ich habe mir tatsächlich Gedanken darüber gemacht, ob ich den Mann, der seine Tochter fotografierte, nicht warnen solle, dass er diese Bilder bloß nicht ins Netz stellt. Ja, das waren durchaus erotische Fotos. Aber sicher keine Kinderpornografie. Gequält wurde das Mädchen auch mit Sicherheit nicht. Sie hat fröhlich gelacht. Es hat ihr Spaß gemacht.</p>
<p>Vielleicht zeigt sie die Fotos ein paar Freundinnen und kichert dabei. Vielleicht zeigt sie auch der Vater ein paar Freunden und ist dabei so stolz, wie ein Vater halt stolz ist, wenn er sieht, dass seine Tochter langsam zu einer schöne Frau wird. Vielleicht stellt er sie auch ins Internet, damit die Tante in den USA oder die Oma im Heimatland der Frau auch sehen können, was für ein hübsches Mädchen sie geworden ist. Darf er das? Darf er überhaupt solche Fotos machen und besitzen?</p>
<p>Ich habe einen weiteren, 16jährigen Sohn, der von der Natur mit einem Körper ausgestattet wurde, der an Adonis erinnert. Natürlich bin ich stolz, dass er so aussieht. Demnächst möchte ich zusammen mit ihm eine Website erstellen. Er wird bald die Schule beenden. Da ist es gut, wenn er schon mal was in den Händen hat, sich an die Darstellung seiner selbst im Web gewöhnt, lernt, was wie geht, was man über sich mitteilen sollte und was nicht. Und schon spüre ich sie wieder, die Schere im Kopf. Welche Fotos soll ich einstellen? Er möchte gerne mit Sport sein Geld verdienen. Er hat einen prächtigen Körperbau. Er ist &#8211; hoffentlich sage ich jetzt nicht zu viel und morgen kommt der Staatsanwalt &#8211; ein durchaus erotischer junger Mann. Kann ich Fotos von ihm verwenden, auf denen er halb nackt ist?</p>
<p>Was ist los mit mir? Was ist los mit diesem Land, dass ich, der ich noch nie große Angst davor hatte, das zu tun und zu sagen, was ich wollte, solche Gedanken hege? Einerseits ist es sicherlich das Thema. Mit dem Staatsanwalt Probleme zu bekommen, weil man etwas geäußert hat, was einem anderen nicht passt, ist nicht ehrenrührig. Im Gegenteil, in manchen Kreisen wird man dafür geradezu zum Helden. Aber wer will sich schon gerne gegen den Vorwurf der Kinderpornografie wehren müssen? Andererseits ist es aber auch die Form, in der die Diskussion geführt wird. So wie Frau von der Leyen aber auch andere argumentieren, verbreiten sie Angst. Wenn Frau von der Leyen z. B. droht, ein Umgehen der Sperren sei eine bewusste Straftat, dann kriminalisiert sie damit alle User, die es bevorzugen, einen nicht in Deutschland stehenden DNS-Server zu benutzen, warum auch immer. Das macht Angst. Wenn dann auch noch ein Milliardenvolk gegen jede Realität bezichtigt wird, Kinderpornografie nicht zu verfolgen, dann macht das Angst. Angst davor, was noch kommen könnte. Aber auch Angst davor, auf Grund irgendwelcher dummen Zufälle selbst in Verdacht zu geraten. Diese Angst ist der Tod der Demokratie.</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Erik</p>
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		<title>Verleger fordern Zwangsabgabe auf U-Bahn-Tickets</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 10:13:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie dpa soeben meldete, fordert der Vorsitzende des neu gegründeten Verbandes verarmender Zeitungsverleger (VvZ) A.B. Surda nun auch eine Zwangsabgabe auf Fahrscheine des Öffentlichen Personenverkehrs. Wie er in seiner Eröffnungsrede berichtete, habe er am letzten autofreien Sonntag seinen Rolls Royce in der Garage gelassen und sei U-Bahn gefahren. Dabei musst er feststellen, das in diesen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie dpa soeben meldete, fordert der Vorsitzende des neu gegründeten Verbandes verarmender Zeitungsverleger (VvZ) A.B. Surda nun auch eine Zwangsabgabe auf Fahrscheine des Öffentlichen Personenverkehrs. Wie er in seiner Eröffnungsrede berichtete, habe er am letzten autofreien Sonntag seinen Rolls Royce in der Garage gelassen und sei U-Bahn gefahren. Dabei musst er feststellen, das in diesen Beförderungsmitteln ständig die Produkte seines Verlages von Menschen konsumiert wurden, ohne dass diese dafür bezahlten. &#8220;Sie schauen einfach über die Schulter ihres Nachbarn und lesen mit. Ja, manche lassen ihre Zeitung einfach liegen und ein anderer eignet sich diese dann illegal an. Dadurch gehen uns tagtäglich Millionen an Umsätzen verloren.&#8221; Noch schlimmer, so A. B. Surda weiter, sei die Situation in den Fernzügen. Hier, so wurde ihm berichtet, lägen sogar Zeitschriften kostenlos aus, die dann von den Fahrgästen gelesen werden könnten. &#8220;Wer kauft schon noch unsere qualitativ hochwertigen Produkte, wenn er sowas umsonst bekommt.&#8221; Die Verkehrsbetriebe profitierten somit vom Eigentum der Verlage, ohne dafür zu zahlen. Das könne so nicht mehr länger hingenommen werden. Da es technisch nicht möglich sei, das Über-Die-Schulter-Gucken zu verhindern, sei der einzig vernünftige Weg, die Verlage vor diesen Verlusten zu schützen, eine Abgabe auf die Fahrscheine zu erheben, die dann den Verlagen zukommen müsse.</p>
<p>Der Chief Marketing Officer des Läufer-Verlages Hans Badenser ging noch einen Schritt weiter. Er forderte, auch Hotels und Kneipen in die Zwangsabgabe mit einzubeziehen. Schließlich, so Badenser in seiner viel beachteten Rede, lägen dort überall Zeitungen und Zeitschriften aus &#8220;allein zu dem Zweck, den eigenen Umsatz zu steigern.&#8221; Wer aber von der harten journalistischen Arbeit profitiere, müsse auch dafür zahlen. Gerade gastronomische Betriebe, die Alkohol ausschenken, zögen einen besonderen Vorteil aus den Produkten seines Verlages, sind doch viele Artikel nur im Suff zu ertragen. Es sei aber auch denkbar ähnlich wie die Gebühren der GEZ, von jedem Bürger, der des Lesens mächtig ist, eine monatliche Zeitungsleseabgabe zu erheben. Bei den anwesenden Abgeordneten der CDU und SPD stießen diese Forderungen auf viel Verständnis. Man werde sich in der nächsten Legislaturperiode darum kümmern.</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Erik</p>
<p>P. S.: Sollte es trotz meiner gewissenhaften Recherche doch einen Läufer-Verlag geben, so bitte ich das zu entschuldigen. Dieser ist nicht gemeint.</p>
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		<title>Deutsch-chinesisches Kooperationsabkommen</title>
		<link>http://blogs.roderwald.de/2009/06/15/deutsch-chinesisches-kooperationsabkommen/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 14:50:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Familienministerin von den Laien prüft chinesische Software Wie soeben bekannt wurde, haben sich am Rande der UN-Konferenz &#8220;Freiheit und Internet&#8221; die deutsche Familienministerin von den Laien und der chinesische Minister für freien Internetzugang Lei Dung Tsu auf eine enge Kooperation hinsichtlich des internationalen Kampfes gegen Pornographie im Internet geeinigt. &#8220;China&#8221;, so Frau von den Laien, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Familienministerin von den Laien prüft chinesische Software</h2>
<p>Wie soeben bekannt wurde, haben sich am Rande der UN-Konferenz &#8220;Freiheit und Internet&#8221; die deutsche Familienministerin von den Laien und der chinesische Minister für freien Internetzugang Lei Dung Tsu auf eine enge Kooperation hinsichtlich des internationalen Kampfes gegen Pornographie im Internet geeinigt. &#8220;China&#8221;, so Frau von den Laien, sei &#8220;weltführend in der Entwicklung familienfreundlicher Internetzugänge.&#8221; Schon lange beobachte man die positive Entwicklung in China, dem einzigen Land der Welt, dem es bisher umfassend gelungen sei, seine Bevölkerung vor den schädlichen Einflüssen des Internets zu schützen. &#8220;Ich habe mir das Programm ausdrucken lassen. Es macht einen sehr ordentlichen Eindruck.&#8221;</p>
<p>Den Gerüchten zufolge soll China eine selbst entwickelte Software liefern, die einmal installiert den Aufruf pornographischer Seiten sicher verhindert. Aufgerufene Seiten werden mit einer auf einem zentralen Server gespeicherten Sperrliste abgeglichen. Bei einem Treffer werde der Aufruf verhindert. Der Benutzer bekommt ein Stopp-Schild zu sehen, die Daten, die sich auf seinem Rechner befinden, werden zur weiteren Überprüfung an den Server übermittelt. Frau von den Laien betonte, dass der Einsatz in Deutschland ausschließlich im Rahmen einer gesetzlichen Regelung und unter Einbeziehung des Datenschutzbeauftragten des BND erfolgen werde.</p>
<p>Kritik wurde von Seiten der SPD laut. Zwar sei man nicht prinzipiell gegen den Einsatz einer solchen Software. Es müsse aber gewährleistet werden, dass die Daten, die so gesammelt wurden, nicht zum Zweck der Strafverfolgung verwendet werden könnten. &#8220;Hier werden wir hart mit der CDU verhandeln.&#8221; so der internetpolitische Sprecher des Bundesvorstandes.</p>
<p><small>vergleiche: <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/886/471426/text/" target="new">sueddeutsche.de &#8211; Anti-Porno-Software für alle Computer</a></small> </p>
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		<title>Jetzt twittere ich doch &#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 22:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Folgeartikel zu &#8220;Twitterst Du schon?&#8221; &#8230; weniger, weil ich wollte, als vielmehr, weil ich muss. Was für einen ersten Eindruck habe ich? Das Profil Ich habe keine Ahnung, wieviele Profile in wievielen Foren, Emaillisten und anderen sozialen Netzwerken ich schon ausgefüllt habe. Bisher hatte ich eher das Problem, dass die Leute zu viel wissen wollten. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small>Folgeartikel zu <a href="http://blogs.roderwald.de/2009/06/05/twitterst-du-schon/">&#8220;Twitterst Du schon?&#8221;</a></small></p>
<p>&#8230; weniger, weil ich wollte, als vielmehr, weil ich muss. Was für einen ersten Eindruck habe ich?</p>
<h3>Das Profil</h3>
<p>Ich habe keine Ahnung, wieviele Profile in wievielen Foren, Emaillisten und anderen sozialen Netzwerken ich schon ausgefüllt habe. Bisher hatte ich eher das Problem, dass die Leute zu viel wissen wollten. Das Problem stellt sich hier nicht. 160 Zeichen habe ich, um mich darzustellen. 160 Zeichen für die Biographie eines Menschen, der schon seit 44 Jahren auf diesem Planeten wandelt. Ich erinnere mich an Goethes Bemerkung: &#8220;Entschuldige den langen Brief. Ich hatte keine Zeit einen kürzeren zu schreiben.&#8221; Ich zermartere mir das Hirn, wie und vor allem was ich mit 160 Zeichen über mein Leben aussagen möchte. Aber es ging. Dann noch die Homepage eingetragen und das war&#8217;s schon. Aber was sagt das über mich aus? Ein bitterer Nachgeschmack bleibt.</p>
<h3>Die beliebtesten Themen</h3>
<p>Was nun? Über der Seite steht auffordernd &#8220;What are you doing?&#8221; Soll ich jetzt wirklich hinschreiben, was ich im Moment tue? Interessiert das die Welt? Ich beschließe, dass es für die Welt einigermaßen uninteressant ist, dass ich gerade versuche, dem Twitter doch einen Sinn abzugewinnen. Als schreibe ich nichts hin, sondern schaue mich erst einmal um. Was schreiben andere hier?</p>
<p>Rechts entdecke ich die &#8220;Trending Topics&#8221;. Das scheint mir sowas wie die top ten der beliebtesten Themen zu sein. Das klingt interessant. An oberster Stelle steht &#8220;D-Day&#8221;. Achja,  dieser Tag jährt sich mal wieder. Also schaue ich mal rein. Schließlich bin ich ein an der Historie interessierter Mensch. Vielleicht finde ich hier was, was ich bisher noch nicht wusste oder einfach nur ein paar Informationen, wer was dieses Jahr zu diesem Tag veranstaltet. Ich werde enttäuscht. Seitenweise Wortfetzen, die einfach nur daran erinnern, dass D-Day ist. Schade.</p>
<p>Die nächsten Themen interessieren mich schlicht nicht. Ein Rapper, zwei Spiele. Nichts, was ich wirklich wissen will. Ich will das nicht kritisieren. Es interessier mich einfach nicht. Suum cuique. Als schaue ich weiter und stoße auf &#8220;Good night&#8221; und &#8220;It&#8217;s cool&#8221;. Tatsächlich, zu den Topthemen gehört, dass sich die Menschen gegenseitig &#8220;Gute Nacht&#8221; wünschen bzw. sich gegenseitig mitteilen, dass irgendetwas &#8220;cool&#8221; ist. Offenbar komme ich so nicht weiter.</p>
<h3>Die Twitterer</h3>
<p>Also versuche ich einen anderen Weg. Ich klicke die Gute-Nacht-Sager an und schaue mal, was sie sonst noch der Welt mitzuteilen haben. Offenbar nichts. Weitere Wortfetzen schlagen mir entgegen. Das geht so weit, dass ich immer wieder lesen: &#8220;Sorry, ich twittere nicht, weil mir nichts einfällt.&#8221; Das hat eine gewisse Komik. Menschen teilen sich gegenseitig mit, dass sie sich nichts mitzuteilen haben. Warum? Was macht ein Medium so erfolgreich, in dem auf den ersten Blick nichts wirklich Interessantes zu finden ist?</p>
<p>Also versuche ich dem Phänomen auf andere Art näher zu kommen. Ich finde die Liste der beliebtesten Vögelchen. Es war nicht anders zu erwarten. Prominenz ohne Ende. Was haben die uns zuzuzwitschern? Ich entdecke einen professionellen Pokerspieler. Das interessiert mich. Da werden seine Hände kommentiert. Er lässt also twittern. Oder will er mir allen Ernstes weißmachen, dass er während des Spiels selbst twittern kann? Auch sonst habe ich bei der Prominenz nicht unbedingt das Gefühl, dass es authentisch ist. Aber habe ich das erwartet?</p>
<p>Dazwischen dann doch auch ein paar, deren Name ich nicht kenne. Scheinbar ganz normale Leute, die offenbar was zu sagen haben. Blogger. Da wurde es dann doch ein wenig interessanter.</p>
<h3>Die Verfolger</h3>
<p>Ich schaue mich immer noch um. Noch habe ich nicht eins von meinen 140 Zeichen verbraucht. Plötzlich tut sich was. Ich habe einen Verfolger. Wie das? Wer hat mich da so schnell gefunden? Pornospam! Also habe ich gleich mal die Blockfunktion ausprobiert. Insgesamt hatte ich nach kurzer Zeit und dem ersten zaghaften Zwitscherton zwölf Verfolger. Davon habe ich drei behalten. Zwei davon kenne ich und habe ich deshalb in meine Verfolgungen eingetragen. Der dritte ist ein Dienst, der mir die meistgenannten deutschen Themen nennt. Offenbar geht es in der deutschen Zwitscherszene etwas seriöser zu als im englischsprachigen Raum.</p>
<p>Der Rest war schlicht Spam mit teilweise so eindeutigen Bildern, dass ich Eltern nur raten kann, das zwitschern ihrer Sprößlinge gut zu beobachten. Auch das eine ganz neue Erfahrung mit sozialen Medien. Spam ist überall ein Phänomen. Aber alle soziale Medien, die ich bisher kennengelernt habe, haben das einigermaßen im Griff. Bei twitter, so der erste Eindruck, scheint das anders zu sein.</p>
<h3>Reine Zeitverschwendung?</h3>
<p>Eins habe ich allerdings schon gelernt. Es ist sicherlich keine Zeitverschwendung, wenn man neue Artikel seines Blogs oder andere Veränderungen auf der Website twittert. Damit kann ich auch was anfangen und werde es deshalb tun. Trotzdem bleibt bei mir der etwas bittere Nachgeschmack, der sich bei der Frage einstellt, was denn mit der Gesellschaft passiert ist, dass immer mehr Menschen die Kommunikation online der echten direkten Kommunikation Auge in Auge bevorzugen. Was ist mit der Gesellschaft passiert, dass immer mehr Menschen ihre Partner nicht in Kneipen, Bars, Diskos, Cafés oder sonstwo im realen leben suchen, sondern im Chat, via online Partnervermittlung oder jetzt auch via twitter?</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Erik</p>
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		<title>Twitterst Du schon?</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 07:56:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Diese Frage stellte mir vor Kurzem ein Kollege. Nein, ich twittere nicht. Warum um alles in der Welt soll ich ein Medium nutzen, dass mir gerade mal 140 Zeichen zur Verfügung stellt? Nicht einmal die letzten beiden Sätze hätte ich schreiben können. Nein, kein Interesse. &#8220;Aber schau doch mal &#8230;&#8221; Der Kollege öffnet stolz seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diese Frage stellte mir vor Kurzem ein Kollege. Nein, ich twittere nicht. Warum um alles in der Welt soll ich ein Medium nutzen, dass mir gerade mal 140 Zeichen zur Verfügung stellt? Nicht einmal die letzten beiden Sätze hätte ich schreiben können. Nein, kein Interesse. &#8220;Aber schau doch mal &#8230;&#8221; Der Kollege öffnet stolz seine Seite und zeigt mir die vielen Nachrichten, die er interessant findet. &#8220;Hier zum Beispiel &#8230;&#8221; Ich bleibe skeptisch. Was ich sehe ist ein Wust von kurzen sprachlich wenig erbaulichen Textchen. Auch der Inhalt ist wie erwartet eher dünn. Sicher, ein paar interessante Links sind dabei. Das war aber auch schon alles. Nun hat mich dieser Kollege für eine Schulung zum &#8220;Web 2.0&#8243; angefragt mit der Bemerkung: &#8220;Jetzt musst Du Dich wohl über kurz oder lang auch mit social media beschäftigen.&#8221; Na dann mal los.</p>
<h3>Wie alles begann</h3>
<p>Nun, mein lieber Freund, das tue ich schon sehr viel länger. Es war 1989 als ich mein erstes Modem kaufte. Ein damaliges Mitglied meines sozialen Netzwerks &#8211; man nannte das noch Bekanntenkreis &#8211; machte mich auf etwas aufmerksam, das er &#8220;Mailbox&#8221; nannte. Das klang interessant. Also habe ich, damals noch armer Student, ein wenig Geld gespart und mir einen kleinen Kasten gekauft, dessen Kabel ich mit Telefonbuchse und Computer verband. Eine Software musste noch installiert werden und dann ging es los. Nein, es ging noch nicht los. Nachts um drei holte sich mein Computer die neuen Nachrichten aus der Mailbox ab und am nächsten Tag konnte ich sie lesen.</p>
<p>Aber das war noch nicht wirklich interessant. Meine erste Mailbox bot zwar eine Menge Software aber nur regionale Benutzer. Warum, so fragte ich mich, soll ich denn den Tag am Computer verbringen, wenn ich denn mit denselben Menschen in meiner geographischen Umgebung direkt kommunizieren kann? In diesem Moment fand ich einen Artikel über &#8220;Fido&#8221;. Erinnert sich noch jemand? Fido war ein weltweites Mailbox-Netzwerk. Nun wurde es spannend. Kurze Zeit später hatte ich virtuelle Freunde in der ganzen Welt.</p>
<h3>IRC &#8211; Die Mutter aller Chats</h3>
<p>Aber das Fido war schon zu diesem Zeitpunkt ein Auslaufmodell. Das Internet mit seinen bunten Seiten und der Möglichkeit, in Echtzeit zu kommunizieren, entwuchs seinen Kinderschuhen und kam in die Pubertät. AOL dehnte seinen Geschäftsbereich auf Deutschland aus und machte den Zugang einigermaßen erschwinglich. Und auch die Computertechnik schritt voran. Ich kaufte mir einen 386er, ein schnelleres Modem und los gings. Sogar Webspace war im Vertrag mit AOL vorhanden, so dass ich meine ersten Gehversuche mit HTML machen konnte.</p>
<p>Auch unser Node (so nannten wir die Mailboxen des Fido und ihre Betreiber) erkannte die Zeichen der Zeit. Er gründete eines der ersten Internetcafés in Hamburg. Da ich damals nach  meinem ersten Gehversuch als Unternehmer wenig Geld hatte, fragte ich nach einem Job in diesem Café. Kurze Zeit später kam ein hagerer Mann zu uns und setzte sich an einen unserer Computer. Am Ende meiner Schicht war er immer noch da. Am nächsten Tag stand er schon vor der Tür, als ich kam, um zu öffnen. Und wieder blieb er bis ans Ende meiner Schicht. Was macht der da? Wofür gibt er pro Woche ca. 1.000,&#8211; DM aus?</p>
<p>Wolf, so nannte er sich im Netz (genauer ^wolf^), war damals arbeitslos. Er verbrachte seine Zeit damit zu chatten. Er war IRCop. Eigentlich hatte er eine Standleitung. Damals brauchte die Post aber drei Monate, um eine solche Leitung zu schwenken. Also verbrachte er die Zeit im Internetcafé und chattete mit Menschen aus aller Welt. Irgendwann nach meiner Schicht setzte ich mich zu ihm und schaute mir das an. Am nächsten Tag saß ich am Computer neben ihm und machte mit. Ein Jahr später war ich selbst IRCop und stand in Gefahr wie Wolf, süchtig zu werden. Warum? Ganz einfach. Ich konnte mich mit Menschen aus aller Welt unterhalten, ohne das ich meine Stadt verlassen musste. Ich wusste, was Menschen in den USA, Mexiko, Südafrika, Pakistan, der Türkei und noch vielen anderen Ländern der Welt dachten, fühlten, erlebten. Die Welt wurde zu einem virtuellen Dorf. Das war echtes soziales Netzwerken.</p>
<h3>Anfang 2000</h3>
<p>Doch auch IRC war vom Tode bedroht und siecht heute vor sich hin. Vor Kurzem machte ich mir den Spaß, mal wieder in mein altes Netzwerk zu schauen. Alle Räume waren leer. Und die Benutzerzahl, die genannt wurde, war mehr als traurig. Ich selbst hörte auf, als ich meine jetzige Frau kennenlernte. Ich hatte einfach keine Zeit und auch kein Interesse mehr, stundenlang am Rechner zu sitzen. Die reale Welt hatte mich voll und ganz wieder. Meine Aktivitäten verlagerten sich auf Foren und Email-Listen.</p>
<p>Dann entdeckte ich den Open Business Club, der heute Xing heißt. Durchaus mit Begeisterung machte ich mich daran. Ich registrierte mich, schrieb mein Profil, schaute mich in den Foren um und stellte fest: Kommerz pur. Soziales Netzwerk? Darunter verstehe ich etwas anderes. Hier ging es nur um das Geschäft. Der Ton war sachlich bis unangenehm. Nichts von dem, was ich am IRC, an Email-Listen und Foren so schätzte, fand hier statt. Es ging nur um das Bilden von Seilschaften. Das machte keine Spaß. Es dauerte nicht lange und ich hörte auf damit. Ich beteiligte mich noch eine Zeit lang an einem Projekt, das sich Social Business Club nannte, musste aber bald feststellen, das soziales Engagement in der heutigen Zeit nicht mehr wirklich modern ist. Gibt es das Projekt eigentlich noch?</p>
<h3>Und heute?</h3>
<p>Heute sprechen wir vom Web 2.0. Nach Wikipedia sind typische Funktionen:</p>
<ul>
<li>Persönliches Profil, mit diversen Sichtbarkeitseinstellungen für Mitglieder der Netzgemeinschaft oder generell der Öffentlichkeit des Netzes</li>
<li>Kontaktliste oder Adressbuch, samt Funktionen, mit denen die Verweise auf diese anderen Mitglieder der Netzgemeinschaft (etwa Freunde, Bekannte, Kollegen usw.) verwaltet werden können (etwa Datenimport aus E-Mail-Konto oder anderen Portalen)</li>
<li>Empfang und Versand von Nachrichten an andere Mitglieder (einzeln, an alle usw.)</li>
<li>Empfang und Versand von Benachrichtigungen über diverse Ereignisse (Profiländerungen, eingestellte Bilder, Videos, Kritiken, Anklopfen usw.)</li>
</ul>
<p><small>Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_Netzwerk_(Informatik)" target="new">Wikipedia, Soziales Netzwerk (Informatik)</a></small></p>
<p>Was soll daran neu sein? Das mache ich seit 1990. Sicher, die Möglichkeiten haben sich geändert. Heute kann ich nicht nur textuelle Nachrichten versenden, sondern auch Bilder, Videos, Sprache, Musik &#8230; Aber vom Prinzip her ist das ein alter Hut.</p>
<p>Eins ist allerdings neu: Die Inhalte werden immer flacher und die Sprache immer schlechter. Eine Stilblüte jagt die nächste. Kaum noch ein Satz, der einen Nebensatz enthält. Echte Information und auch echte menschliche Begegnung wird durch die Masse an Banalitäten und inhaltsleeren Phrasen verdeckt. Es wird eben nicht mehr kommuniziert, sondern nur noch getwittert.</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Erik</p>
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		<title>Europa ist mehr, als man denkt</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 13:49:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Erik</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nachdenkliches und Satirisches]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Bald ist Europawahl. Überall sieht man Plakate der Parteien, die einen auffordern, sie zu wählen. Aber man sieht auch einige Plakate, die einen auffordern, überhaupt zu wählen. Ein besonders hübsches Exemplar solcher Wahlwerbung ist mir auf der Fähre von den Landungsbrücken nach Finkenwerder in die Hände gefallen, das ich auf keinen Fall unkommentiert wieder wegwerfen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bald ist Europawahl. Überall sieht man Plakate der Parteien, die einen auffordern, sie zu wählen. Aber man sieht auch einige Plakate, die einen auffordern, überhaupt zu wählen. Ein besonders hübsches Exemplar solcher Wahlwerbung ist mir auf der Fähre von den Landungsbrücken nach Finkenwerder in die Hände gefallen, das ich auf keinen Fall unkommentiert wieder wegwerfen darf. Ein Impressum trägt es leider nicht. Lediglich die URL auf  <a href="http://www.europawahl.hamburg.de" target="_blank">www.europawahl.hamburg.de</a> lässt vermuten, dass es sich um eine Veröffentlichung der Stadt Hamburg handelt.</p>
<p>Mein kleiner Sohn &#8211; er ist sechs Jahre alt &#8211; schleppt auf dem Boot immer wieder diese lustigen Werbeflyer an, um sie mit mir auf der Fahrt durchzublättern. Meistens haben wir viel Spaß dabei. Aber diesmal haben wir wirklich herzhaft gelacht. Also schlagen wir den Flyer mit dem Titel &#8220;Europa ist mehr, als man denkt.&#8221; gemeinsam auf und schauen uns an, was Europa denn so alles ist. </p>
<p>&#8220;Guck mal Papa, ein Krabbenburger!&#8221; Mein Sohn ist ein großer Fan von Spongebob Schwammkopf. Und tatsächlich. Auf der ersten Seite ist ein Schriftzug in Form eines Burgers abgebildet. Und was teilt uns dieser Schriftzug mit?</p>
<p><strong>Europa ist ein leckeres Fischbrötchen</strong></p>
<p>Was? Europa ist ein Fischbrötchen? Wie jetzt? Bisher dachte ich, Europa sei der Name einer weiblichen Figur der griechischen Mythologie oder die Bezeichnung des Kontinents, auf dem ich lebe, benannt nach eben jener phönizischen Schöhnheit, die dem Göttervater Zeus den Kopf verdreht hat. Und nun teilt mir die Freie und Hansestadt Hamburg mit, dass Europa ein leckeres Fischbrötchen sei. Das erstaunt mich doch sehr. Die Spannung steigt, was Europa denn noch so alles ist, woran ich niemals gedacht hätte. Auf der nächsten Seite erfahre ich von der Freien und Hansestadt Hamburg:</p>
<p><strong>Europa ist ein glücklicher Alsterschwan</strong></p>
<p>Ich bin wie wohl jeder Hamburger ein großer Freund unserer Schwäne. Und Europa ist sicherlich ein schöner Name für einen Schwan, zumindest für einen weiblichen. Da freut es mich doch sehr, dass der so benannte Schwan auch glücklich ist. Dennoch gemäß der Sage wäre eine Kuh wohl die bessere Wahl gewesen. Vielleicht so: &#8220;Europa ist eine glückliche Schwarzbunte.&#8221;</p>
<p>Auf der nächsten Seite fange ich dann aber doch an, an meinem Verstand zu zweifeln. Ich blicke auf einen Teddybären, der übrigens meinem Sohn ein &#8220;Oh wie süüüüüüß!&#8221; entlockte, auf dessen Körper steht:</p>
<p><strong>Europa ist ein flauschiger Kuschelbär</strong></p>
<p>Langsam kommt in mir der Verdacht auf, man möchte mich veralbern. Ich schaue mich um. Wo ist die Kamera? Aber nein, es handelt sich tatsächlich um eine Werbung für die Europawahl. Ich soll also die Vertretung für einen flauschigen Kuschelbären wählen? Und nun die letzte Seite:</p>
<p><strong>Europa ist ein defekter Küchenmixer</strong></p>
<p>Dazu fällt selbst mir nichts mehr ein.</p>
<p>Liebe Grüße</p>
<p>Erik</p>
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