Eriks Blog

Meine Gedanken zu diesem und jenem …

Linux ist nicht Windows!

Warum der Umstieg manchmal schwierig ist

Seit zwanzig Jahren bringe ich Menschen bei, wie man Computer benutzt. Am Anfang war es noch Word unter DOS, dann Windows und die Programme, die unter diesem System laufen, und seit ca. zehn Jahren auch Linux in verschiedenen Varianten. Oft habe ich es erlebt, dass die Menschen – vor allem die, die gute Kenntnisse unter Windows haben – sich sehr schwer tun, wenn sie auf Linux umsteigen. Dazu ein paar Gedanken.

Linux ist anders

Das erste, was ich häufig höre: “Ich dachte, Linux sei so wie Windows. Aber hier ist ja alles anders.” Hast Du wirklich gedacht, Linux sei wie Windows? Warum willst Du dann Linux statt Windows benutzen? Natürlich ist Linux anders. Es ist ein anderes System mit einer anderen Architektur, einer anderen Art Programme zu installieren, einer anderen Art Programme zu konfigurieren, einer anderen Art Programme zu bedienen. Wenn dem nicht so wäre, dann gäbe es keinen Grund, ein anderes System zu benutzen. Ja, es gäbe noch nicht einmal einen Grund, ein anderes System zu entwickeln. Wäre Linux so, wie Windows, dann wäre es überflüssig. Warum also willst Du Linux benutzen?

Linux ist kostenlos

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Ja, jeder kann Linux frei aus dem Netz herunterladen und muss niemandem dafür Lizenzgebühren bezahlen. Nun hast Du eine große Datei mit der Endung .iso auf Deinem Rechner und kannst Dir Deine eigene DVD brennen. Bis dahin ist das kostenlos. Aber nun fangen die Kosten an. Entweder Du machst das alles selbst. Dann wirst Du als Einsteiger Tage und auch Nächte damit verbringen, bis Dein System das tut, was Du willst. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich angefangen habe. Erst nach einigen hundert Zigaretten, einigen zig Flaschen Wein und vielen durchwachten Nächten haben es mein Freund ^wolf^ und ich geschafft, endlich ein stabiles System zu bauen. Gut, damals gab es noch nicht einmal eine grafische Installation. Heute geht das sicherlich schneller. Aber Du wirst viel Zeit damit verbringen, wenn Du das System alleine kennenlernen möchtest.

Oder Du hast nicht die Zeit. Dann rufe z. B. mich an und lasse Dir das System einrichten und erklären. Das kostet Geld. Das kostet zumindest heute noch deutlich mehr Geld als bei Windows. Windows-Kurse kannst Du an jeder Volkshochschule für geringe Gebühren besuchen. Linuxkurse sind rar und entsprechend teuer. Allerdings macht das auch nicht der Student, der sein Salär aufbessern will, sondern in der Regel ein Experte. Sicherlich ist Linux auf Dauer kostengünstiger als Windows. Wenn Du aber nur wegen der Kosten auf Linux umsteigen willst, dann bleibe bei Windows.

Linux ist besser

Das ist wenig konkret. Aber ich gebe Dir recht. Linux ist meiner Meinung nach an vielen Stellen besser. Aber es ist deshalb besser, weil es anders ist. Du kannst nicht erwarten, dass etwas besser ist und doch gleich. Wenn es gleich wäre, könnte es nicht besser sein. Wenn es aber besser sein soll, dann muss es anders sein. You can’t have one without the other.

Linux ist sicherer

Das ist der zweite am meisten genannte Grund, warum Menschen die bunte Welt von Microsoft verlassen wollen. Kein Tag, an dem nicht ein neuer Schädling, der Windows oder die darunter laufende Software bedroht, das Licht der Welt erblickt. Unter Linux gibt es das so gut wie gar nicht. So lauten die Begründungen. Nun, das stimmt und stimmt auch wieder nicht.

Linux ist von seiner Architektur anders. Treiber für die Hardware, oder besser Module werden anders eingebunden. Du wirst schon bei der Installation gezwungen, einen eingeschränkten Benutzer anzulegen (da hat Microsoft dazugelernt) usw. usf. Aber diese Sicherheit hat ihren Preis. Die Grundregel lautet: Je sicherer ein System ist, desto koplizierter ist seine Bedienung. Unter Windows bist Du es gewohnt, dass alles sofort funktioniert. Ja, das tut es. Damit aber alles sofort funktioniert, wird aber auch alles, was gefährlich ist, von vornherein eingeschaltet. Nehmen wir z. B. die gemeinsame Nutzung von Dateien. Unter Windows kein Problem. Rechte Maustaste, Freigabe und das war’s. Schon können die anderen im Netz auf den Ordner zugreifen. Unter Linux musst Du Dich entscheiden, wie der Zugriff erfolgen soll, musst die Software installieren und konfigurieren und musst den Dienst dann auch noch starten bzw. dafür sorgen, dass er beim Hochfahren geladen wird.

Allerdings macht das Linux sicherer. Was ist, wenn Du die Freigabe gar nicht brauchst? Unter Windows läuft der Dienst immer mit. Du musst ihn explizit ausschalten. In meinen Schulungen habe ich es mehr als einmal erlebt, dass Windows-Benutzer ganz erstaunt sind, dass erstens der Dienst gefährlich ist und man ihn zweitens abschalten kann. Und wenn Du ihn brauchst? Unter Windows geht das einfach so. Du machst Dir keinerlei Gedanken darüber, wie das denn funktioniert. Du musst nichts an dem Dienst konfigurieren. Bei vielen Diensten kannst Du es nicht einmal. Unter Linux wirst Du gezwungen, Dich mit dem Dienst auseinander zu setzen, bevor Du ihn startest.

Und nun verrate ich Dir ein Geheimnis: Ich konfiguriere und administriere seit fast 20 Jahren Windows-Systeme und seit über zehn Jahren Linux. Windows kann fast genauso sicher gemacht werden wie Linux, wenn man denn weiß, was man tut. Und Linux kann fast genauso unsicher sein, wenn man nicht weiß, was man tut. Linux ist von den Grundeinstellungen bestimmt sicherer als Windows. Aber richte Dich darauf ein, dass es auch genauso viel Arbeit macht wie ein sicheres Windows.

Linux macht Spaß

Wer das antwortet, ist bei Linux richtig und hat selten Probleme. Der größte Vorteil von Linux gegenüber Windows ist das immer wieder sich einstellende Erfolgserlebnis. Wie oft habe ich unter Windows frustriert feststellen müssen, dass bestimmte Dinge nicht so gehen, wie ich das gerne hätte. Wie oft habe ich im Dunkeln gestochert, um ein Problem zu lösen. Wie oft habe ich mich über geschwätzige und doch kryptische Fehlermeldungen geärgert. Unter Linux lassen sich die Probleme lösen. Es kostet Zeit und Hirnschmalz. Aber sie lassen sich lösen.

Ein Beispiel: Ich hatte ein Notebook, dessen Grafikkarte nicht von Linux unterstützt wurde. Das Teil war billig und ich hatte mich vorher nicht genügend informiert. Das Resultat waren hässliche Streifen auf dem Schirm. Eine grafische Oberfläche war nicht zum Laufen zu bekommen. Also ab ins Internet und Lösungen suchen. Es hat mich drei Tage gekostet (Linux ist nicht umsonst!). Am Ende hatte ich aber eine wunderbare grafische Oberfläche mit den Einstellungen, die ich gerne wollte. Nebenbei habe ich noch eine Menge über das grafische System X und die Funktionsweise von Grafikkarten und Monitoren gelernt. Und unter Windows? Du hast kaum eine Chance, das Problem zu lösen. Entweder die Hardware wird unterstützt oder eben nicht. Wird sie nicht unterstützt, dann hast Du verloren. Sicherlich ist die Hardwareunterstützung unter Windows besser als die unter Linux, wenn auch nicht mehr viel besser. Aber wenn etwas nicht geht, dann geht es nicht.

Linux ist schwerer zu installieren als Windows

Nein, ist es nicht. Das ist ein Gerücht, dass sich schon lange hält, aber es war schon immer ein Gerücht. Schauen wir uns erst einmal eine typische Windowsinstallation an:

Wir beginnen mit der Grundinstallation. Wir legen die Windows-CD ein und fahren den Rechner hoch. Nach Eingabe von einigen Informationen, der Eingabe eines komplizierten Registrierungsschlüssels und gefühlten hundert Neustarts haben wir ein rudimentäres System. Dann folgt mit jeweils einem Neustart die Installation des Chipsatzes, des Grafikkartentreibers, des Soundtreibers etc. Eventuell müssen wir dazu noch die Treiber im Netz suchen und herunterladen. Dann haben wir ein Betriebssystem, mit dem wir noch fast nichts anfangen können, es sei denn, wir wollen mit Wordpad unsere Briefe schreiben, mit dem Internet Explorer surfen und mit Outlook Express unsere Emails verwalten. Aber wer will das schon?

Also folgt der nächste Schritt. Installation der Software. Wir packen unsere CDs oder DVDs aus und legen sie eine nach der anderen ein, um die Programme zu installieren. Erst den Virenschutz, dann das Office-Paket, dann unser Grafikprogramm usw. usf. Bei fast jedem Schritt müssen wir wieder einen Lizenzschlüssel eingeben. Auch Neustarts sind nicht gerade selten. Am Ende haben wir Tage damit zugebracht, bis wir endlich alle Software auf dem Rechner haben.

Und unter Linux? Schauen wir uns erst einmal die beliebte Distribution Ubuntu an. DVD rein, Rechner hochfahren, ein paar Fragen beantworten, Kaffee trinken gehen und siehe da, alles ist installiert. Wir haben Open Office zum Schreiben, Kalkulieren und Präsentieren, wir haben das Grafikprogramm GIMP, wir haben verschiedene Mailprogramme, Spiele und vieles mehr. Für meinen Geschmack zu viel. Denn wer braucht das alles, was von den modernen Distributionen so alles mitgeliefert wird.

Will man wie ich Einfluss auf das, was denn alles installiert wird, haben, dann nimmt man z. B. Suse. Hier kommt noch ein Schritt hinzu, die Paketeauswahl. “Das ist aber unübersichtlich!” oder “Das kostet aber viel Zeit!” höre ich dann in den Schulungen immer. Ja, es ist unübersichtlich. Schließlich werden Dir hunderte vielleicht sogar tausende Programme angeboten (ich habe nie gezählt). Ja, es kostet viel Zeit. Aber kostet Dich das mehr Zeit als all diese Programme, die benötigst, im Laden zu kaufen und dann die Datenträger einzeln einzuspielen? Sicher nicht. Es ist anders. Es ist vielleicht auch unübersichtlicher. Aber es ist besser. Und deshalb willst Du doch Linux benutzen, oder?

Der Ehrlichkeit halber muss noch erwähnt werden, dass unter Linux in der Regel viele Codices für die verschiedenen Mediendateien nachinstalliert werden müssen. Das ist ein echter Nachteil. Allerdings liegt das nicht an Linux, sondern an den Lizenzbestimmungen derer, die die Rechte an diesen Codices haben. Du wirst sicherlich nicht erwarten, dass jemand, der Dir Software kostenfrei zum Herunterladen anbietet, auch noch dafür bezahlt, damit er diese Codices mitliefern darf.

Linux ist schwerer zu konfigurieren

Um dieses Argument zu entkräften, reicht es eigentlich aus “Registry” zu schreiben. Es gibt kaum etwas unübersichtlicheres und kryptischeres als dieses Monster, mit dem ich Windows konfigurieren soll. Da ist mir jede Textdatei unter Linux lieber.

Ansonsten unterscheiden sich die Systeme vom Prinzip kaum noch voneinander. Bei beiden gibt es grafische Tools, um das ein oder andere einzustellen. Bei Windows heißt es im Wesentlichen Systemsteuerung, unter Linux finden wir je nach Distribution verschiedene Tools schön geordnet unter einem Menüpunkt.

Aber es gibt eben den wesentlichen Unterschied des Ergebnisses. Unter Windows wird die Konfiguration in das Monster “Registry” geschrieben. Gefühlte Millionen von Einträgen in gefühlten hundert Ebenen, die keiner nachvollziehbaren Logik folgen. Wo finde ich z. B. die Serverschlüssel des ssh-Programms putty? Irgendwo vergraben in den Tiefen des Systems. Unter Linux hingegen habe ich Textdateien, in denen alles in mehr oder weniger lesbarer Form steht, üblicherweise mit mindestens einer Zeile Kommentar zu jedem Eintrag. Will ich also mein System feineinstellen, was unter beiden Systemen mit den grafischen Werkzeugen nicht geht, ist Linux einfacher zu konfigurieren. Ja es ist sogar intuitiver, sobald ich weiß, dass die Dateien fast immer in /etc liegen und irgendwie so heißen wie die Software selbst, und in der Lage bin, Kommentare und Anleitungen zu lesen.

Linux ist für Dich schwerer zu konfigurieren, weil Du es nicht gewohnt bist. Du bist ein Neuling. Genauso wie Du es unter Windows lernen musstest, musst Du es nun unter Linux wieder neu lernen. Das ist mühsam und manchmal auch frustrierend. Aber war es das vor Jahren unter Windows nicht auch?

Linux ist benutzerunfreundlich

Das ist ein alter Streit zwischen den Systemen. Welches ist am benutzerfreundlichsten? Dabei ist dieser Streit nur für die Marketingabteilung von Microsoft und Apple interessant. Ansonsten ist Benutzerfreundlichkeit ein Mythos.

Benutzerfreundlich ist das, was Du kennst

Der Apple Macintosh mit seinem OS X gilt als besonders benutzerfreundlich. Die Benutzer dieser Geräte werden nicht müde in solchen Debatten die ungezählten Studien zu zitieren, die das angeblich beweisen. Nun werde ich manchmal gezwungen, dieses System zu bedienen. Benutzerfreundlich und intuitiv? Weit gefehlt! Ich finde nichts, klicke ständig auf das Falsche, fluche wie ein Rohrspatz und frickele mich so zurecht. Ich kann nicht behaupten, dass dieses System freundlich zu mir ist.

Benutzerfreundlich ist das, was langsam ist

Wie werden solche Systeme auf Benutzerfreundlichkeit gestestet? Man setzt Laien vor den Rechner. Je weniger sie wissen, desto besser. Dann wird ihnen eine Aufgabe gestellt und es wird gemessen, wie lange sie dafür brauchen. Je schneller sie das erledigen, desto benutzerfreundlicher scheint das System. Und solche Tests sind schlicht und ergreifend Unsinn. Denn wie erledigt ein solcher Probant die Aufgabe?

Nehmen wir mal an, er soll einen Text umstellen und formatieren. Der Probant hat kaum Kenntnisse in Textverarbeitung. Wir setzen ihn also vor eine beliebige moderne Textverarbeitung und schauen ihm zu. Wird er Tastenkürzel benutzen? Wohl kaum. Er wird sich durch die Menüs klicken und suchen, wo denn die Befehle sind, die er zur Erledigung der Aufgabe braucht. Sind die Bilder besonders bunt und die Ikonografie halbwegs eindeutig, wird er es schneller erledigen als bei Programmen, die eher auf die Benutzung der Tastatur ausgerichtet sind. Sind sie deshalb besonders benutzerfreundlich?

Benutzerfreundlich ist das, was Dir nützt

Bleiben wir bei Texten. Nehmen wir zwei Texteditoren. Einen, der auf einer grafischen Oberfläche bedient wird, und den guten alten vi. Letzterer gilt als die Ausgeburt der Benutzerunfreundlichkeit. Ich behaupte, er ist benutzerfreundlicher als jeder grafische Texteditor. Warum?

Nehmen wir mal an, wir wollen in einem Text die ersten fünf Zeilen unter die sechste stellen. Schauen wir uns die Methoden an, mit denen wir das erreichen. Zunächst die Methode mit der Maus. Wir markieren den Text mit gedrückter Maustaste. Dann klicken wir auf “Bearbeiten->Ausschneiden” oder auch mit der rechten Maustaste und dann auf “Ausschneiden”. Danach klicken wir an das Ende der jetzt ersten Zeile und drücken “Enter”. Zum Schluss klicken wir “Bearbeiten->Einfügen” oder wahlweise wieder mit der rechten Maustaste. Das geht mit ein wenig Übung schon recht flott.

Nun nehmen wir im grafischen Editor die Tastatur. Also drücken wir zunächst Pos1, dann Umschalt-Ende, dann fünfmal Umschalt-PfeilUnten, dann Strg-X, dann Ende, dann Enter und zum Schluss Strg-V. Das geht wesentlich schneller als mit der Maus.

Und nun vi: 5ddp. Das war’s. Das nenne ich benutzerfreundlich. Aber ich muss auch ständig in irgendwelchen Konfigurationsdateien oder im Quellcode Zeilen löschen, umstellen, kopieren usw.

Nochmal anders ausgedrückt. Egal, welche Methode ich benutze. Jede muss ich erst einmal lernen. Die Methode mit der Maus lässt sich sicherlich am schnellsten erlernen. Sie ist aber auch immer die langsamste. Die Methode mit Tastenkürzeln ist schneller, der Lernaufwand aber höher. Das lohnt sich aber, wenn man häufig z. B. Briefe schreiben muss. vi ist am schnellsten, wenn es darum geht, Textdateien zu bearbeiten. Dafür muss ist aber einige zig Tastenkürzel im Kopf haben. Was davon benutzerfreundlich ist und was nicht, ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Administratoren und Programmierer lieben vi. Sekretärinnen lieben Tastenkürzel und der, der nur ab und zu mal einen kurzen Brief schreibt, wird sicherlich mit der Maus am Besten bedient sein. Der Streit, welches System am benutzerfreundlichsten ist, ist so lange unsinnig, so lange nicht Aufgabe und Zielgruppe genannt wird.

Linux bietet keinen Support

Das ist nun der größte Unsinn. Der Support ist wesentlich besser als unter jedem anderen System, das ich kenne. Allerdings ist der Support anders. Windows und seine Programme hast Du bezahlt. Also hast Du auch das Recht, Support zu bekommen. Wenn sich das Programm, das Du gekauft hast, nicht installieren lässt, rufst du bei der Hotline an oder schreibst eine Email und erwartest, dass Dir schnell und unkompliziert geholfen wird. Genauso kannst Du erwarten, dass die andere Seite Dir die Informationen wie Würmer aus der Nase zieht. Schließlich ist das deren Job, für den letztlich Du als Kunde bezahlst. Das kannst Du auch unter Linux haben. Rufe mich an. Ich sage Dir dann, was das kostet und wir legen los.

Aber normalerweise wirst Du unter Linux einen anderen Support nutzen. Du wirst Foren oder Mailinglisten aufsuchen und die dort anwesenden Experten fragen. Viele Neulinge machen dabei den Fehler, dass sie das erwarten, was ich gerade beschrieben habe. Sie rufen laut um Hilfe, ohne konkrete Angaben. Dabei vergessen sie eins. Die, die hier den Support leisten, tun das in der Regel freiwillig und ohne Bezahlung in ihrer Freizeit. Sie sitzen an ihren Rechnern zu Hause und nicht im Büro. Und dann kommt eine Frage wie: “Ich will Java installieren. Ich brauche dringend Hilfe!” Und schon ist die Stimmung versaut.

“Meine Güte!” denkt sich das Gegenüber auf der anderen Seite des Drahtes: “Schon wieder so einer, der sich weigert, einfach mal zu lesen.” Wenn Du Glück hast, rotzt er Dir noch eine Kommandozeile hin oder eine URL, unter der das erklärt wird. Jetzt bist Du sauer. Warum hilft der mir nicht ordentlich? Wenn Du Dich nun völlig unbeliebt machen willst, dann schreibst Du das auch noch ins Forum oder an die Liste. “Hey, ich bin neu hier!” Ach! Da wäre wir von alleine nicht drauf gekommen. “Warum hilft mir keiner?” Weil Du nicht anständig fragst. Du hast hier keinen Anspruch auf Hilfe. Wir ziehen Dir hier nicht die Würmer aus der Nase. Lies erst einmal. Suche erst einmal selbst. Google ist Dein erster Helfer. “Java Linux installieren” liefert ca. 4 Mio. Treffer. Versuche das doch einfach mal. Wenn Du dann immer noch Probleme hast, dann komme wieder, beschreibe sie ordentlich und dann helfen wir Dir auch.

Die wollen mich hier nicht haben

Wenn dann der Frust auf Grund des Missverständnisses, wie denn Hilfe geleistet wird, allzu groß wird, neigt der Neuling aus der Windowswelt dazu, zu glauben, die Linux-Gemeinde wolle ihn nicht haben. Oft hört man, dass Linux immer noch ein System ist, dass nur von Geeks für Geeks entwickelt wird. “Die wollen alle unter sich bleiben.” Selbst von Linuxnutzern, die selbst viel in Foren schreiben und gerade Neulinge unterstützen, hört man diese Kritik. Sie ist falsch. Die Linux-Gemeinde freut sich über jedes neue Mitglied. Aber auch hier ist Linux ganz anders als Windows.

Bill freut sich über jeden neuen Windows-Nutzer, weil er ihm Geld in die Kasse spült. Ob das System gut oder schlecht ist, interessiert ihn nur insofern, als dass man mit einem besseren System wahrscheinlich mehr Geld verdient. Wir freuen uns über jeden neuen Linux-Nutzer, weil wir hoffen, dass jeder neue Nutzer auch neue Ideen und Wünsche einbringt. Bill entwickelt Software, um damit Geld zu verdienen. Ob er sie selbst benutzt oder nicht, ist dabei völlig egal. Vielleicht ist Bill sogar heimlich zu Hause begeisterter Linux-Nutzer. Trotzdem wird er weiter seine Software vertreiben wollen. Davon lebt er.

Die Linux-Gemeinde entwickelt Software, weil sie sie selbst benutzen will. Irgendjemand hat ein Problem, für das es noch keine oder nur eine unbefriedigende Lösung gibt. Also setzt er sich (oder einen Programmierer) daran, um die Lösung zu entwickeln. Dann nutzen sie andere und meckern, was denn alles nicht geht, buggy ist, was noch wünschenswert wäre usw. Dann geht die Entwicklung weiter. Neue Menschen kommen hinzu und es entsteht ein Produkt von Nutzern für Nutzer. Dafür brauchen wir Dich. Allerdings möchten wir, dass Du dasselbe Engagement zeigst wie die anderen auch. Und dazu gehört, sich mit dem System zu beschäftigen. Willst Du das nicht, dann bleibe bei Windows.

6 Reaktionen zu “Linux ist nicht Windows!”

  1. werner stangl

    Eine kleine Anmerkung zur Apple-Kritik: “Ich finde nichts, klicke ständig auf das Falsche, fluche wie ein Rohrspatz und frickele mich so zurecht. Ich kann nicht behaupten, dass dieses System freundlich zu mir ist.”
    Wenn man sich Zeit seines Lebens mit Linux und Windows geplagt hat, dann ist von der verinnertlichten Logik Vieles natürlich anders und somit schwieriger. Ein solcher Systemvergleich ist nur fair bei solchen Personen, die von Computern keine Ahnung haben, und da ist die Logik der Bedienung eindeutig auf Seiten Apples, was man vor allem bei älteren Menschen merken kann, aber auch kleine Kinder finden sich leichter zurecht. Ich habe von Linux wenig Ahnung, aber als einer, der in seinem Leben immer wieder Leuten bei der Bedienung ihres Computers helfen musste – Fachkollegen wie Sekretärinnen und StudentInnen -, und das waren eben Apple und Windows-Rechner, kann ich die Differenz im Erklärungsaufwand von etwa 1:10 und der Störungsanfälligkeit von 1:20 durch Stundenaufzeichnungen relativ sehr gut belegen.
    Das Problem ist schlicht der Umstieg.

  2. Erik

    Hallo Werner,

    genau das wollte ich mit meinem Beispiel sagen. Der Apple gilt deshalb als so “benutzerfreundlich”, weil die Schwelle zum Einstieg relativ niedrig scheint. Linux gilt als “benutzerunfreundlich”, weil die Schwelle relativ hoch scheint. Wenn ich aber meine Aufgaben mit dem Apple erledigen sollte, würde ich eine Krise kriegen. ;)

    Die Frage ist eben nicht, welches System ist “objektiv” benutzerfreundlicher, sondern welches System wird den Aufgaben, die ich habe, gerecht. Bei mir ist es Linux, bei anderen ist es Windows und wieder andere erledigen die Aufgaben besser mit dem Mac.

    Die Störanfälligkeit kann ich allerdings so nicht nachvollziehen. Mein Linux und auch meine Windosen stürzen nie ab. Das läuft und läuft und läuft. Und ich garantiere, dass auch der Mac häufiger abstürzen würde, wenn sein User alles, was er auf eine Heft-CD einer $computerzeitschrift findet, installieren würde.

    Liebe Grüße

    Erik

  3. Mathias Wührmann

    Glückwunsch, endlich mal jemand, der den Betriebssystemstreit sachlich, diplomatisch und dennoch direkt auf den Punkt bringt. Windows != Linux (!= Mac). Obwohl doch Deine Tendenz zum Linux erkennbar ist ;-)

    Besonders der Abschnitt über die Benutzerfreundlichkeit hat mir gut gefallen.

    Ich selbst arbeite von Beginn an mit Windows (obwohl, DOS hab ich auch noch mitgekriegt und Win 3.11 war mein Einstieg). In den letzten Monaten komme ich aber immer häufiger mit Linux in Berührung und hab’ Spaß dabei. Ich bin neugierig. Manchmal fluche ich über Linux und manchmal über Windows. Und wenn ich am Mac meines Chefs sitze, erst recht – aber nur, weil ich den praktisch (noch) gar nicht kenne.

    Linux ist eben kein Windows und Windows kein Mac. Jedes System hat seine Daseinsberechtigung und individuelle Vor- und Nachteile, die auch vom zu erreichenden Ziel und den persönlichen Kenntnissen abhängen. Das eine geht mit dem System einfacher als mit dem anderen – aber auch das ist oft subjektiv.

    Wenn man aber man bereit ist, sich auf ein komplett anderes System einzulassen ohne zu sehr am anderen zu hängen und langsam kapiert, wie es funktioniert, macht das immer wieder Spaß!

  4. werner stangl

    Das iPhone-Betriebssystem mit seiner intuitiven Bedienung und jetzt die Fortsetzung auf dem iPad zeigt bzw. wird zeigen, was sich UserInnen wünschen und mit welchen Systemen sie besser zurecht kommen.
    Ich persönlich halte nämlich z.B. die bewusste Verhinderung von Multitasking und Beschränkungen bei der verwendbaren Software für eine richtige Sache, wenn man an den Normaluser denkt, der einfach ein Gerät nutzen will. Und auch das lange Festhalten an der Eintastenmaus oder die strengen Auflagen für Softwareentwickler waren IMHO userfreundlich – leider hat Apple hier nachgegeben.
    Oder wie intuitiv war ein MacWrite oder MacDraw – Hypercard war genial, aber leider nichts vor Normaluser – ich hatte damals psychologische Tests damit entwickelt mit einer automatischen Auswertung und Interpretation, wobei die Steuerung mittels Sprache erfolgte. Und das war Ende der 80er Jahre. Myst – IMHO eines der schönsten Computerspiele im Vergleich zu den krakeligen anderen Spielen aus dieser Zeit – basierte übrigens auf Hypercard!

  5. Erik

    @Mathias

    Vielen Dank für die Blumen. :)

    @Werner

    Wenn ich an die “Normaluser” denke, die ich schule oder supporte, dann wäre eine “bewusste Verhinderung von Multitasking” ein echtes No-No-Kriterium. Die haben alle neben dem Programm, mit dem sie gerade arbeiten, einen Browser, ein Mailprogramm und oft auch noch ein Programm, aus dem die Daten kommen, geöffnet.

    Liebe Grüße

    Erik

  6. Ingo Prüfer

    Ihr könnt argumentieren wie ihr wollt, ein Apple stellt alles andere in den Schatten: er ist schick und hat Stil (teuer ist er außerdem). Eigenschaften (Marketing), die ihn begehrenswert machen, insbesondere unter Laien – Technik ist da sekundär. Weil der Begriff “Laie” sich auf Personengruppen ohne Fachkenntnisse (bezogen auf ein bestimmtes Fachgebiet) bezieht, “muss er doch” besonders benutzerfreundlich sein – ob er es real ist oder nicht!
    Dahinter sieht es manchmal, wie leider so oft, ganz anders aus:
    Zu Weihnachten hat sich ein Freund aus Harburg ein 15,4 Zoll MacBook gekauft (Sonderangebot bei Saturn für 1499 EUR, allerdings mit Handyvertrag 24 Monate zu 49,50 EUR wie ich später erfahren habe).
    Als erstes suchte er jemanden, der ihm Windows XP auf dem Mac installieren kann! Warum kauft er sich einen Mac, wenn er mit Windows arbeiten will?
    Da er Schwierigkeiten mit der Bedienung hat, sucht er noch jemanden für eine Mac-Schulung (soll aber nicht mehr so viel kosten – das Geld steckt schon in der Hardware)! Als ich ihm sagte, dass, soweit ich weiß, die Bedienung eines Apples doch intuitiv sei und keiner besonderen Schulung bedürfe, lächelte er mich kopfschüttelnd und verloren an.
    Er wohnt im Raum Harburg und da er seinen Mac immer noch nicht richtig bedienen kann, würde sich über einen ehrenamtlichen Mac-Tutor, den er noch immer sucht, sehr freuen.

    Viele Grüße
    Ingo

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