Wenn das Frau von der Leyen sieht …
Die Schere im Kopf
Ich bin Vater. Mein kleiner Sohn ist sechs Jahre alt. Am Wochenende muss das Kind beschäftigt werden. Was macht also ein guter Vater? Er geht mit seinem Kind irgendwohin, wo es Spaß hat. Also blättere ich im Internet und suche einen solchen Platz. Ich lese: “Sie haben Lust auf einen abwechslungsreichen, fröhlichen, sportlichen und actionreichen Tag mit Ihrer Familie?” Das scheint mir das Richtige. Also frage ich Frau und Kind, ob sie dazu Lust haben. Beide sagen Ja. Schnell ein paar Sachen gepackt und dann los. Das Wetter ist herrlich. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Ich zahle den Eintritt und wir stürzen uns ins Vergnügen.
Aber was muss ich sehen? In einer Ecke steht ein Mann etwa so alt wie ich vor einem Klettergerüst. Er macht Fotos. Fotos von einem Mädchen, vielleicht 13 Jahre alt. Sie trägt nur einen Bikini. Sie klettert durch das Gerüst, lächelt in die Kamera, spreizt die Beine. Wo bin ich hingeraten? Ich schaue mich weiter um. Das kann nicht sein. Mitten im Herzen Deutschlands ein Hort widerlichster Kinderpornografie. Uns gegenüber ein alter Mann. Der ist sicher schon an die 70, denke ich mir. Er spricht mit zwei leicht bekleideten Mädchen. Er gibt ihnen Geld. Ich bin fassungslos.
Überall, wohin ich auch sehe, Szenen, die eindeutig auf den Index gehören. Dort zwei engumschlungene Teenager, die miteinander knutschen. Drumherum sehe ich mehrere weitere Jugendliche, die zusehen. Weiter hinten ein nacktes Mädchen kaum drei Jahre alt. Sie ist bis auf einen Hut völlig unbekleidet. Der Mann, der neben ihr liegt, holt eine Kamera hervor und fotografiert das arme Kind. Dort zwei vielleicht 16jährige Mädchen, die einem etwa 17jährigen Jungen zärtlich den Rücken massieren. Und dann kann ich eine solche Szene aus nächster Nähe beobachten. Direkt neben uns plaziert sich ein Paar, beide etwa 30 Jahre alt. Sie haben ein kleines nacktes Kind bei sich. Später erfahre ich, dass es kein Jahr alt ist. Sie legen sich auf eine große Decke. Die Frau hebt dem Mann das Kind auf den Bauch. Das Kind kneift dem Mann in die Brustwarzen. Er lacht und streichelt das Kind über den Rücken.
Soll ich nicht besser die Polizei rufen? Nein, wir lachen mit und unterhalten uns nett mit den beiden. Wir sind im Finkenwerder Freibad. Das Zitat oben stammt von der Website der Firma “Bäderland Hamburg”. Es ist alles ganz harmlos. Aber nach der heutigen Rechtslage droht der harmlosen Website der Familie des Herrn, der wahrscheinlich seine Tochter fotografiert hat, oder der desjenigen, der seinen kleinen Nackedei fürs virtuelle Fotoalbum festgehalten hat, das Stoppschild, vielleicht sogar Schlimmeres. Wollen wir das?
Diese Gedanken schossen mir im Freibad so durch den Kopf. Schon komisch, dachte ich mir, wie diese Diskussion meine Sicht der Dinge verändert hat. Letztes Jahr wäre ich mit Sicherheit nicht auf solche absurden Gedanken gekommen. Aber nun habe ich z. B. den Text in netzpolitik.org gelesen, wie weit der Begriff der Kinderpornografie mittlerweile ausgedeht wurde. Die Fotos, die dort im Freibad gemacht wurden und die mit Sicherheit alle ganz harmlose Familienfotos sind, wie sie sich in jedem Fotoalbum finden, sind nach dieser Definition pornografisch. Jeder, der solche Fotos ins Netz stellt, steht in der Gefahr, mit dem Staatsanwaltschaft Bekanntschaft zu machen.
Das ist das schlimme an der Zensur. Sie erzeugt eine Schere im Kopf. Sicher wird jetzt jeder CDU-Politiker und auch jeder von der SPD mit der Inbrunst der Überzeugung feststellen, dass solche Fotos doch gar nicht gemeint sind. Ich glaube Ihnen das sogar. Aber ich habe sie gespürt, die Schere im Kopf. Ich habe mir tatsächlich Gedanken darüber gemacht, ob ich den Mann, der seine Tochter fotografierte, nicht warnen solle, dass er diese Bilder bloß nicht ins Netz stellt. Ja, das waren durchaus erotische Fotos. Aber sicher keine Kinderpornografie. Gequält wurde das Mädchen auch mit Sicherheit nicht. Sie hat fröhlich gelacht. Es hat ihr Spaß gemacht.
Vielleicht zeigt sie die Fotos ein paar Freundinnen und kichert dabei. Vielleicht zeigt sie auch der Vater ein paar Freunden und ist dabei so stolz, wie ein Vater halt stolz ist, wenn er sieht, dass seine Tochter langsam zu einer schöne Frau wird. Vielleicht stellt er sie auch ins Internet, damit die Tante in den USA oder die Oma im Heimatland der Frau auch sehen können, was für ein hübsches Mädchen sie geworden ist. Darf er das? Darf er überhaupt solche Fotos machen und besitzen?
Ich habe einen weiteren, 16jährigen Sohn, der von der Natur mit einem Körper ausgestattet wurde, der an Adonis erinnert. Natürlich bin ich stolz, dass er so aussieht. Demnächst möchte ich zusammen mit ihm eine Website erstellen. Er wird bald die Schule beenden. Da ist es gut, wenn er schon mal was in den Händen hat, sich an die Darstellung seiner selbst im Web gewöhnt, lernt, was wie geht, was man über sich mitteilen sollte und was nicht. Und schon spüre ich sie wieder, die Schere im Kopf. Welche Fotos soll ich einstellen? Er möchte gerne mit Sport sein Geld verdienen. Er hat einen prächtigen Körperbau. Er ist – hoffentlich sage ich jetzt nicht zu viel und morgen kommt der Staatsanwalt – ein durchaus erotischer junger Mann. Kann ich Fotos von ihm verwenden, auf denen er halb nackt ist?
Was ist los mit mir? Was ist los mit diesem Land, dass ich, der ich noch nie große Angst davor hatte, das zu tun und zu sagen, was ich wollte, solche Gedanken hege? Einerseits ist es sicherlich das Thema. Mit dem Staatsanwalt Probleme zu bekommen, weil man etwas geäußert hat, was einem anderen nicht passt, ist nicht ehrenrührig. Im Gegenteil, in manchen Kreisen wird man dafür geradezu zum Helden. Aber wer will sich schon gerne gegen den Vorwurf der Kinderpornografie wehren müssen? Andererseits ist es aber auch die Form, in der die Diskussion geführt wird. So wie Frau von der Leyen aber auch andere argumentieren, verbreiten sie Angst. Wenn Frau von der Leyen z. B. droht, ein Umgehen der Sperren sei eine bewusste Straftat, dann kriminalisiert sie damit alle User, die es bevorzugen, einen nicht in Deutschland stehenden DNS-Server zu benutzen, warum auch immer. Das macht Angst. Wenn dann auch noch ein Milliardenvolk gegen jede Realität bezichtigt wird, Kinderpornografie nicht zu verfolgen, dann macht das Angst. Angst davor, was noch kommen könnte. Aber auch Angst davor, auf Grund irgendwelcher dummen Zufälle selbst in Verdacht zu geraten. Diese Angst ist der Tod der Demokratie.
Liebe Grüße
Erik
[...] Wir haben noch die Wahl Abwaschbar: Internetsperren umgehen und kriminelle Energie Eriks Blog: Wenn das Frau von der Leyen sieht … – Als Vater kann ich nur sagen: SEHR Lensenswert! Junge Union: Gegen eine Verbotsgesellschaft [...]
Meine vollste Zustimmung! Leider leider kapieren unsere Politiker das nicht oder sie wollen es nicht kapieren. Es läuft auf dasselbe hinaus: wir befinden uns auf dem Weg in einen totalitären Zensurstaat.
Sorry, aber ich glaube, ihr habt überhaupt nichts begriffen!
Warum wird hier der Rücktritt von Frau von der Leyen gefordert? Das ist reiner Populismus und lenkt vom Kern der Probleme und Hintergründe dieser “Demokratie” ab.
Diese Frau wird nur als Werkzeug benutzt.
Was machst du, wenn dein Auto wegen eines Defekts stehenbleibt, wirfst du deswegen deinen Wagenheber weg – und dann?
Ich würde nach der Ursache suchen und prüfen, wie ich solche “Fehler” zukünftig vermeiden kann – also notfalls das Auto wechseln oder aufs Fahrad umsteigen.
Zurück zum “Werkzeug”: es geht hier nicht um Kinderpornografie, du darfst also natürlich weiterhin deine Fotos, in dem Rahmen wie oben beschrieben, machen. Hier geht es um ganz ganz andere Beweggründe, die bereits heute in der BRD nicht öffentlich ausgesprochen werden dürfen! Du solltest dich fragen, warum die Sperrlisten geheim sind, also nicht kontrolliert werden können? Natürlich kommt da die KO-Antwort, wir wollen doch nicht noch für “den Sumpf” werben oder sind SIE etwa für Kinderpornografie!
Also bleibt der “Index”, den es “garnicht gibt”, geheim und wird mit weiteren Daten gefüttert – Basta!
Und die “Freiheit” ist gerettet.
I. Sch.
Alles nur Verschwörungstheorie (?)
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