Piraten hart steuerbord?
Der Fall Bodo Thiesen
Wohin segeln die Piraten? fragt sich die Szene, seit Bodo Thiesen auf dem Bundesparteitag zum stellvertretenden Mitglied des parteiinternen Schiedsgerichts gewählt wurde und sich auf einer Landesliste der Partei befindet. Kurz danach gab es eine Schwemme von Artikeln, die sich kritisch mit diesem Herren auseinandersetzen. Aufhänger sind seine äußerst grenzwertigen Äußerungen zu den Themen Holocaust und Deutsche Kriegsschuld. Sofort entbrannte eine heftige Diskussion zwischen den Kritikern, die zum großen Teil die Partei nunmehr für unwählbar halten, und den Piraten, die abwiegeln und erklären, er meine das doch alles nicht so. Beispielhaft sei hier die Diskussion auf fixmbr.de genannt. Mittlerweile scheint sich aber auch in der Partei selbst die Vernunft durchzusetzen. Der Parteivorstand hat jenen Herren auf der parteieigenen Website aufgefordert, sich zu distanzieren. Innerhalb von 24 Stunden solle er sich äußern, sonst “wird der Bundesvorstand die entsprechenden Maßnahmen ergreifen”, was immer das auch heißen mag. Allerdings schränkt der Vorstand dies in seiner Erklärung auf die Äußerungen zum Holocaust ein. Ein guter Grund, sich mit den anderen Positionen jenes Herren, der für die Piraten ins Parlament einziehen soll, zu beschäftigen.
Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen des Bodo Thiesen
Am Rande der Diskussion über seine Äußerungen zum Holocaust wird jener Herr folgendermaßen zitiert:
Schon in der Bibel kann man nachlesen, daß die Juden (interessanterweise aber nur unter einander) keine Zinsen nehmen (oder geben) durften. Offenbar gab es schon damals jemanden, der die Problematik begriffen hatte. Dieser Grundsatz ist als fester Bestandteil in das Wirtschaftssystem zu integrieren.
wiki.piratenpartei.de – Benutzerseiten von Bodo Thiesen; alle weiteren Zitate von Bodo Thiesen ebenda
Dieses Zitat, das antisemitisch ausgelegt werden kann oder auch gerade nicht, steht das Verbot doch in der Thora, veranlasste mich, den Artikel ein wenig genauer zu lesen. Am Anfang des Abschnittes steht:
Meiner Meinung besitzt unser Geldsystem System-Immanente Probleme, insbesondere im Hinblick auf den Zins und Zinseszins, den ich für äußerst schädlich halte. Geld kommt in unserem Geldsystem ausschließlich in Form von Schulden »auf die Welt« (vergeben als Kredite von der Zentralbank), der Zinseszins legt ein exponentielles Wachstum an den Tag und schlußendlich kommt noch verstärkend die Möglichkeit der (privaten) Banken (die Zentralbank kann das ja sowieso) hinzu, Geld im wahrsten Sinne des Wortes aus dem NICHTS zu schöpfen (dieses wird dann in Form von Schulden an andere verliehen, die ihrerseits dadurch in die Zinsknechtschaft verfallen).
Schon in diesen ersten Sätzen macht jener Herr klar, wes Geistes Kind er ist. Alle entscheidenden Vokabeln tauchen auf: Geldsystem, Zins und Zinseszins, expotentielles Wachstum und die Zinsknechtschaft. Woher kennen wir diese Zusammenstellung? Sie gehen zurück auf Gottfried Feder, Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft. Auf diesem Manifest basieren bis heute alle rechten Wirtschaftstheorien. Dabei ist die antisemitische Stoßrichtung nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass hier versucht wird, einem Teil des Wirtschaftssystems, dem Bankenwesen, die alleinige Schuld an allen wirtschaftlichen Verwerfungen zu geben. Den Akteuren wird dabei einerseits haltlose Gier und andererseits Gelderwerb ohne Arbeit unterstellt. Desweiteren ist all diesen gemein, dass eine Front zwischen (nationalem) produktivem Kapital und (internationalem) Finanzkapital aufgebaut wird.
In dieses Horn stößt der Pirat:
Die Realwirtschaft kann mit dem exponentiellen Wachstum des Zinseszinses (auf Dauer) nicht mithalten, mit der Konsequenz, daß die ja nur begrenzte Geldmenge nie ausreicht, die Kredite jemals zurückzuzahlen, dies führt notwendigerweise zu Krisen, die zwar auch durch andere Faktoren begünstigt (oder erst Begründet) werden können, aber als unmittelbare Folge unseres Geldsystems zwingend in Erscheinung treten müssen. Die Zinslast-Spannungen zwischen den Kapilalvermögenden und den Verschuldeten steigt immer stärker an, bis es zu Entladungen, z.B. in Form der Inflation oder gar Hyperinflation kommt.
Im nächsten Satz verweist er auf einen Zeichentrickfilm. In diesem Film werden die Banker als verkappte Außerirdische dargestellt, die sich die Welt mittels der Geldwirtschaft unterwerfen. (Wie kann so ein Machwerk nur als Diplomarbeit anerkannt werden?) Der einzige Unterschied zu ähnlichen Machwerken der Nazizeit ist die Darstellung der Krake. Sie trägt keinen Bart, keine Kippa und keine Pejes. Ansonsten werden dieselben Stereotypen bedient. die Aussage ist klar: Das böse internationale Finanzkapital unterwirft sich mit Hilfe des Zinses die Welt. Ein jeder, der sich auch nur ein bisschen mit der rechten Theorie beschäftigt hat, wird dieses krude Zeug als das entlarven, was es ist: faschistische Wirtschaftstheorie.
Das Ganze wäre nicht weiter erwähnenswert, stünde es nicht unkommentiert im Wiki der Piratenpartei. Bisher haben wir herzlich wenig über die politischen Ziele dieser Partei erfahren. Wirtschaftspolitisch hat sie sich noch gar nicht geäußert. Aber auch das hätte mich nicht wirklich veranlasst, diesen Artikel zu schreiben. In jeder jungen Partei finden sich solche Leute wieder, wenn sie auch nur die geringste Chance sehen, ihre Thesen an den Mann zu bringen. Was wirklich erschreckend ist, ist die Tatsache, dass in vielen Kommentaren zu Artikeln, die sich kritisch mit Herrn Thiesen auseinandersetzen, diejenigen, die ihn kennen, behaupten, er sei gar kein Rechter. Sie stellen sich vor ihn. Sie werfen denjenigen, die sich kritisch mit solchen Leuten auseinandersetzen vor, sie spuckten in die gerade frisch gekochte Suppe einer ach so tollen und freiheitsliebenden Partei. Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder diejenigen wissen nicht, was rechte Theorie ist, oder sie sind selbst Rechte. Ich hoffe, das Erste ist richtig. Aber auch dann, auch wenn das Erste richtig sein sollte, wenn also die Piraten nicht beurteilen könne, ob so etwas rechtsradikale Theorie ist oder nicht, machen sie sich dadurch unwählbar für jemanden, der sich schon etwas länger mit Politik im Allgemeinen und mit der Neuen Rechten im Besonderen auseinandergesetzt hat.
Liebe Grüße
Erik
P. S.: Ich hatte eigentlich vor, in diesem Artikel auch ein paar Webseiten der NPD zu zitieren, habe mich dann aber dagegen entschieden. Ich will dieses Zeug nicht verlinken und somit dafür sorgen, dass sie bei den Sumas besser gelistet werden. Wen es interessiert, welche Parallelen es zwischen den Äußerungen des Herrn Thiesen und den Theorien der NPD gibt, der möge selbst die Stichworte “Zins” bzw. “Zinsknechtschaft” und “NPD” ergoogeln. Auch die Haltung der NPD zur “Meinungsfreiheit” ist in diesem Zusammenhang interessant.
Nachtrag: Auf Wunsch habe ich im Artikel Das Märchen von der Zinsknechtschaft die hier als rechts entlarvten Thesen widerlegt.
Weitere Artikel zum Thema
fixmbr.de – Quo vadis Piratenparte?
informelles.de – Segeln die Piraten nach rechts?
freitag.de – Damit das klar wäre. Oder: Die Holzbeine der Piraten
emptysignifier.de – Bodo Thiesen + Piraten = rechts?
nebenleben.de – An die Prinzessinnen auf der Erbse
roccostorm.com – Schiffbruch
Claudia Kilian – Oh weh, Piraten!
hohlwelt.org – Fähnchen im Wind
spreeblick.com – Meinungsfreibeuter
Ehrlich gesagt war mir die Theorie der “Zinsknechtschaft” auch nicht geläufig aber umso besser, dass ich hier darüber aufgeklärt worden bin. Habe diese Aussagen von Thiesen auch gelesen, allerdings nur in der Annahme weiteres spinnertes Zeug von ihm präsentiert zu bekommen, ohne das Bewußtsein, welches Geistes Kind damit vertreten wird.
Dein Blog ist übrigens sehr lesenswert.
@Bernhard
Das ist der Grund, warum ich mir die Mühe gemacht habe, das auch noch gegen jenen Herren anzuführen. Das Leugnen der Shoah ist für jeden ein Problem. Diese krude Theorie von der Zinsknechtschaft leider nicht. Im Gegenteil, trägt man sie ein wenig eloquenter und auch mit mehr logischer Stringenz vor, als das jener Herr tut, und vermeidet bestimmte Reizworte, dann hat sie sogar einen gewissen Charme. Das macht sie nicht richtiger, aber umso gefährlicher.
Gerade in der heutigen Zeit, in der von fast alle Parteien eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte gefordert wird, muss man ganz genau aufpassen, wer da was sagt. Das geht ganz schnell, dass Menschen wieder auf solche Theorien hereinfallen so wie Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die Situation ist ähnlich und auch die Reaktion der Politik und der Menschen. Wieder wird den Banken die Hauptschuld oder gar die ganze Schuld gegeben. Und wieder ist es nicht einmal die halbe Wahrheit.
Danke für das Lob. Erzähl’s weiter.
Liebe Grüße
Erik
Mach ich gerne.
Und schon verlinkt. Sorry für Doppelpost.
Danke Dir. Der Doppelpost ist kein Problem.
Und den Link gebe ich natürlich auch zurück.
Dann ein Danke zurück.
Gerne
Sehr interessanter und aufschlussreicher Blog-Eintrag, danke dafür!
Die ganze piratenpartei ist Rechts.
Zitat:
“Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden. Dazu müssen insbesondere die Datenschutzbeauftragten völlig unabhängig agieren können. Neue Methoden wie das Scoring machen es erforderlich, nicht nur die persönlichen Daten kontrollieren zu können, sondern auch die Nutzung aller Daten, die zu einem Urteil über eine Person herangezogen werden können. ”
Worte wie “Der”, “Die” und “Das” gehen zurück bis zu Hitlers “Mein Kampf” womit sich die beweiskette nahtlos schließt.
Gentrifrizierung… jetz bin ich terrorist
@frank
Solch qualifizierten Kommentare beweisen nur eins. Ich habe recht. Die Piraten sind irgendwie kindisch. Statt sich argumentativ mit dem Gesagten auseinanderzusetzen, wird gequakt wie ein kleines Kind, dem man das Förmchen weggenommen hat.
Liebe Grüße
Erik
Nochmal für die, die nur den Kommentarfeed abonniert haben. Es gibt einen Folgeartikel Das Märchen von der Zinsknechtschaft
So inhaltlich wie du dich da oben damit begnügst eine beweisführung anhand der selben verwendeten worte zu erstellen?
Genau das habe ich getan, allerdings griff ich dabei auf ein wenig bekanntes stilmittel zurück.
Aber zum thema. Der Vollhonk über den du dich da oben zu recht aufregst legt uns dermaßen viele verachtenswerte und durch und durch bescheuerte sätze vor die füße anhand derer man ihm einfachst die hose runterziehen könnte, aber das einzige was den leuten einfällt ist der übliche holocaust-nazi-schnappreflex.
Und dein artikel da oben ist auch noch ganz besonders oberflächlich.
Er sagt -X- genau wie -Y- also vertritt er die selbe ansicht wie -Y-
Übrigens findest du das wort Zinsknechtschaft auch bei Brecht, Marx, Goethe, Schiller und bei etlichen anderen, definitiv nicht rechten Schreiberlingen.
Und auch wenn ich absolut mit dir übereinstimme wenn du sagst das nicht das Geldsystem das problem darstellt, oder die Bänker oder das ganze andere zeug was der gute da oben von sich gibt, widerspreche ich dir sehr gerne und mit nachdruck dabei das pure übereinstimmung von einzelnen WORTEN ein beweis für die gesinnung einer Person sind.
Und jetzt hab ich das selbe wie im meinem vorherigen kommentar gesagt… nur viel länger und unlustiger.
Hier, haste dein Förmchen zurück…
@frank
Zwei Fragen:
1. Hast Du Dir die Mühe gemacht, Dir die Filmchen anzusehen und den von mir angeführten Urvater der Theorie zur Zinsknechtschaft zu lesen? Wenn ja, worin siehst Du die Unterschiede? Ich bin schon der Meinung, dass wenn zwei X sagen, beide auch X meinen.
2. Wo genau findet sich die Vokabel Zinsknechtschaft bei Brecht, Marx, Goethe und Schiller? Und in welchem Zusammenhang? Kannst Du mir das bitte belegen? Dann lese ich das nach. Von den beiden erstgenannten habe ich die Werke in meiner Handbibliothek.
Liebe Grüße
Erik
In einem Punkt hat er recht: Marx kritisiert tatsächlich die Banken als Handlanger des Imperialismus.
Ich habe es selbst nicht gelesen, aber ich möchte wetten im “Kapital” finden sich bestimmt Parallelen.
Grundsätzlich findet sich derartige Kritik vielerorts. Andererseits diese Wortwahl ist sicher nicht typisch für Marx oder Engels. Allerdings kenne ich die rechte Literatur nicht. Kann also nicht beurteilen, ob dort solche Termini gebräuchlich sind.
Die Behauptung mit den Zinsen ist allerdings hanebüchener Unsinn. Das sollte jeder wissen, der zumindest in der Schule mal 1 Jahr Wirtschaft hatte oder mindestens 1 Semester BWL studiert hat.
Auch im Bankwesen kommt das Geld nicht aus dem Nichts und Zinsen lösen per se keine Krisen aus. Das ist Blödsinn. Wir wissen alle: bei Überschuldung müssen die Kredite irgendwann abgeschrieben werden. Man wird nicht zum “Sklaven” sondern man wird insolvent.
Wirtschaft, Gesellschaft und Banken können solche Ereignisse verkraften. Die eigentliche “Krise” entsteht nur dann, wenn solche Ereignisse in zu starker Anzahl in zu kurzer Zeit auftreten – wie eben zur Zeit.
Bei verschuldeten Staaten ist es etwas komplizierter. Aber das ist primär Aufgabe des IWF und der Weltbank – aber nicht der nationalen Banken.
Hallo zusammen,
@Tom
Wo genau hat Marx die Banken als “Handlanger des Imperialismus” bezeichnet? Da wäre mir neu. Es gibt keine Parallelen zwischen dem, was Marx im Kapital, das ich durchaus gelesen habe, und dem was die hier kritisierte Theorie schreibt. Weder in der Wortwahl noch in der Logik.
Ich habe noch einen Artikel zum Thema geschrieben, auf Grundlage dessen wir mittlerweile die Sache ein wenig genauer diskutieren. Schau doch mal rein: Das Märchen von der Zinsknechtschaft.
Liebe Grüße
Erik
Ich habe selten einen derartigen Schwachsinn gelesen wie er hier verzapft wird!
Der erste Satz, welcher hie rzitiert wird, ist keineswegs antisemitisch auszulegen sondern ein eindeutiges Kompliment an die Schriftsteller der Tora.
Darüber hinaus klingen die Aussagen des verleumdeten Herren meiner Meinung nach nicht nach Gottfried Feder, sondern vielmehr nach einem Vertreter und Ideengründer des Schwund -und Freigeldes Silvio Gesell.
Dieser Mensch(Silvio Gesell) ist alles andere als eine Rechtsradikale Persönlichkeit gewesen und sieht dennoch in Zins und Zinseszins eines der schwerwiegensten Probleme unserer heutigen Zeit – er steht damit nicht alleine.
Die Zinsknechtschaft ist in der Tat ein Märchen, die Absurdität des Zinses hingegen ist offensichtlich.
http://de.wikipedia.org/wiki/Freiwirtschaft
Ich halte es für widerlich und falsch jemanden als Rechtsradikal abzustempeln nur weil er einer Wirtschaftstheorie folgt die einer des Nationalsozialismus ähnlich ist!
Zu Erik:
Wenn man keine Ahnung hat, MARX nimmt eine Abkehr von der kapitalistischen Wirtschaftsordnung an, was AUTOMATISCH die Bedingung mit sich zieht das Zins -und Zinseszinsprinzip auslaufen zu lassen.
Und zu Goethe:
»Warum mir aber in neuester Welt Anarchie gar so gut gefällt?
Ein jeder lebt nach seinem Sinn, das ist nun also auch mein Gewinn!
Ich laß‘ einem jeden sein Bestreben, um auch nach meinem Sinn zu leben.«
- Johann Wolfgang v. Goethe -
Die einzige kapitalistische Anarcho-Theorie setzt ebenfalls eine vt auf Realgeld. -> Oder die Tauschwirtschaftollständige Abschaffung des Zinses voraus und setz.
Ps. Gleich behauptet ihr dass John Maynard Keynes Rechtsradikal war xD.
Hallo zusammen,
@Florian
Welch elaborierte Ausdrucksweise.
1. Es ist richtig, dass Silvio Gesell der Begründer dieser unsinnigen Theorie war. Das macht sie allerdings nicht weniger falsch und nicht weniger antisemitisch. Gerade wenn man Gesells ideologischen Weg von einem jungen durchaus vielversprechenden Mann hin zu einem Autoren des Oranienburg-Eden betrachtet, erkennt man, wie schnell einem eine solche falsche Wirtschaftstheorie das Hirn verknotet.
2. Marx nimmt keineswegs die Abkehr von einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung an, sondern betrachtet die revolutionäre Umwälzung der gesamten Gesellschaft weg von einer auf Ausbeutung basierenden Ordnung hin zu einer kommunistischen als historisch notwendig und unabdingbar. Er wollte keineswegs an dem Geldsystem rumwurschteln, sondern meinte, das Geld müsse ganz abgeschafft werden.
Es geht hier aber gar nicht um die Zukunftsvisionen, die Marx hatte, sondern um seine Analyse der kapitalistischen Ordnung und der Rolle, die die Banken in diesem spielen. Von Zinsknechtschaft und Handlanger des Imperialismus ist da nirgends die Rede. Den Begriff Imperialismus benutzt Marx m. W. nicht. Handlanger sind sie nach Marx’ Analyse auch nicht, sondern zentrale Schaltstelle.
3. Was soll das Zitat Goethes beweisen? Abgesehen davon, dass es so aus dem Zusammenhang gerissen Goethe zu einem Anarchisten macht, der er nicht war, hat es mit dem Thema nichts zu tun. Goethes Zuneigung zur Anarchie drückt sein Verlangen nach der Freiheit der Kunst aus. Anarchie war zu seiner Zeit, in der der Adel herrschte, Synonym für die Demokratie, nach der die aufstrebende Bourgeosie sich sehnte.
4. Warum sollte ich behaupten, dass Keynes ein Rechtsradikaler war?
Liebe Grüße
Erik
Weil Keynes den Ansichten Silvio Gesells Sympathie entgegenbrachte.
Entschuldige meine fehlende Eloquenz, die Ferien scheinen mir der Grund zu sein.
erkläre mir warum die Theorie unsinnig ist, mir erschliesst sie sich auf logische Weise.
Goethe war -wenn auch nicht politisch- philosophischer Anarchist und nein, zu seiner Zeit war die Anarchie kein Synonym für die Demokratie, siehe Proudhon.
Hallo zusammen,
@Florian
Die Erklärung, warum das unsinnig ist, findest Du hier:
http://blogs.roderwald.de/2009/07/09/das-marchen-von-der-zinsknechtschaft/
Zu Goethe und Proudhon:
Als Goethe den von Dir zitierten Satz schrieb (1809), war Proudhon gerade eben auf die Welt gekommen. Als Proudhon und Bakunin ihr Werk begannen (1840), war Goethe schon tot. Zu Goethes Zeiten gab es weder einen philosophischen noch einen politischen Anarchismus. Beide wurden erst durch Bakunin und Proudhon begründet.
Noch ein Goethezitat zum Thema:
Über seine Reaktion, als er vor Capri in Seenot geraten war, schrieb Goethe:
“… mir aber, dem von Jugend auf Anarchie verdrießlicher gewesen als der Tod selbst, war es unmöglich, länger zu schweigen.”
Zitiert nach: http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=capri_seenot
Liebe Grüße
Erik